Eine Pflicht, die niemand ablehnen kann
Ein Todesfall erzeugt nicht nur Trauer, sondern auch Pflichten: Verstorbene müssen in Deutschland würdig bestattet werden — das schreiben die Landesbestattungsgesetze vor. Die Bestattungspflicht ist dabei zweigeteilt: Sie verlangt erstens, dass überhaupt eine Bestattung stattfindet, und sie bestimmt zweitens, wer dafür sorgen muss und wer die Kosten trägt. Wer seine Pflicht verletzt, riskiert eine behördliche Ersatzvornahme und die Erstattung der dadurch entstehenden Kosten; je nach Bundesland drohen zudem Bußgelder. Wie die Pflichten verteilt sind und wo die Grenzen liegen, erklärt dieser Artikel.
Rechtliche Grundlagen
Das Bestattungsrecht ist Landesrecht: Jedes Bundesland hat ein eigenes Bestattungsgesetz mit Verordnungen, die Einzelheiten von den Fristen bis zum Friedhofszwang regeln. Der Artikel zum Bestattungsgesetz stellt die Grundzüge vor. Ergänzend spielt das Zivilrecht eine Rolle: Das Recht der Totenfürsorge klärt, wer berechtigt ist, über den Verstorbenen zu verfügen — das ist nicht immer dieselbe Person, die am Ende die Kosten trägt. Die Bestattungspflicht knüpft in den meisten Ländern an die Verhältnisse der Unterhaltspflicht an: Wer einem Verstorbenen nahestand und ihn zu Lebzeiten unterstützt hätte, muss auch für die Bestattung sorgen.
Wer ist bestattungspflichtig?
Die meisten Landesgesetze nennen eine Rangfolge der Pflichtigen. Typisch — im Detail je nach Bundesland unterschiedlich — ist diese Ordnung:
| Rang | Pflichtige Person |
|---|---|
| 1 | Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner — auch bei getrennter Wohnung; geschiedene Partner sind grundsätzlich nicht mehr pflichtig |
| 2 | Kinder des Verstorbenen — unabhängig davon, ob und was sie erben |
| 3 | Eltern — auch nach langem Kontaktabbruch |
| 4 | Geschwister, Enkelkinder und Großeltern — meist nachrangig |
| 5 | Sonstige Verwandte oder vertraglich Verpflichtete — nur, wenn keine der vorgenannten Personen vorhanden oder leistungsfähig ist |
Bestattungspflicht und Kostentragungspflicht
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Pflicht zu handeln — der Organisation der Bestattung — und der Pflicht zu zahlen. Nicht selten sind beide geteilt: Die Partnerin organisiert die Bestattung ihres Mannes, während die Kosten nach dem Tod auf die Erben übergehen; wer die Erbschaft ausschlägt, kann gleichwohl als naher Angehöriger zur Bestattung verpflichtet sein. Auch Erben, die nichts erben, haften in der Regel für eine einfache, würdige Bestattung; Details zur Haftung bei überschuldeten Nachlässen bietet der Artikel zu Erbe und Schulden. Entlastung bringen der Bestattungszuschuss von Sozialversicherung und Arbeitgebern sowie die Sozialbestattung, wenn wirklich niemand zahlen kann.
Was geschieht bei Verletzung der Pflicht?
Verstirbt jemand ohne pflichtige Angehörige oder verweigern die Pflichtigen die Mitwirkung, greift die öffentliche Hand: Das Ordnungsamt lässt die Bestattung durchführen und zieht die Kosten von den Pflichtigen wieder ein. Wer vorsätzlich verhindert, dass ein Verstorbener bestattet wird, riskiert je nach Landesrecht neben Bußgeldern auch strafrechtliche Folgen. Umgekehrt schützt die Bestattungspflicht die Angehörigen: Der Staat sorgt dafür, dass niemand unwürdig liegen bleibt. Wer unsicher ist, welche Pflichten im konkreten Fall gelten, findet im Artikel Todesfall — was ist zu tun? die ersten Schritte; wer die Organisation an Dritte übertragen möchte, kann dies im Bestattungsauftrag oder durch eine Bestattungsverfügung regeln.



