Was geschieht mit dem Vermögen von Menschen ohne Familie?

Was passiert mit dem Vermögen eines Menschen, der keine Verwandten hat und kein Testament hinterlässt? Die Frage betrifft mehr Menschen als vermutet: Geschiedene, Verwitwete ohne Kinder, Einsiedler, Menschen mit zerrütteten Familienverhältnissen. Die Antwort gibt das BGB — und sie ist für viele überraschend: Am Ende der Reihe steht der Staat. Wie die gesetzliche Erbfolge endet und was das für Einzelne bedeutet, erklärt dieser Artikel.

Die Ordnung der gesetzlichen Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge folgt einem klaren System: Ehegatten und Kinder zuerst, dann Enkel, Eltern, Geschwister, Großeltern und deren Nachkommen. Jede Ordnung verdrängt die folgende. Gibt es in den ersten drei Ordnungen niemanden, erben Großeltern und ihre Abkömmlinge; fehlen auch sie, wandert der Nachlass — als letzte Instanz — an das Land, in dem der Verstorbene seinen letzten Wohnsitz hatte. Manche Landesgesetze verwenden das Vermögen für gemeinnützige Zwecke; rechtlich ist der Fiskus aber ein Erbe wie jeder andere: Er erhält den Nachlass als Ganzes und haftet auch für Schulden.

Lebenspartner und nahe Freunde erben nicht automatisch

Die größte Lücke betrifft nichteheliche Lebensgemeinschaften: Partner ohne Trauschein erben nichts — sie sind in der gesetzlichen Erbfolge nicht vorgesehen. Der Artikel zum Erbrecht für Lebenspartner zeigt die Möglichkeiten, vom gemeinsamen Testament bis zur Vollmacht; auch eingetragene Lebenspartner stehen besser da als Verlobte. Wer seinem Lebensgefährten etwas sichern will, muss es aktiv tun — durch Testament, als Vermächtnis oder durch gemeinsame Vermögenswerte. Das gilt erst recht für enge Freundschaften, Nachbarn oder Pflegepersonen: Sie erben ohne Dokument nichts.

Warum auch Alleinstehende ein Testament brauchen

  • Vermeidung des Fiskalerbfalls: Wer das Vermögen lieber einer gemeinnützigen Organisation, Freunden oder der Nachbarschaft zukommen lässt, regelt es im Testament.
  • Bestattung regeln: Ohne Angehörige organisiert am Ende das Amt — die Wünsche dazu gehören in eine Bestattungsverfügung; die Situation beschreibt der Artikel zur Bestattung Alleinstehender.
  • Pflegeleistungen honorieren: Wer jahrelang gepflegt wurde, kann mit einem Vermächtnis bedacht werden.

Wenn Verwandte unbekannt oder unauffindbar sind

Kommt der Nachlass vorerst an niemanden, bestellt das Gericht einen Nachlasspfleger: Er sichert Vermögen und Schulden, sucht Erben und bereitet die Abwicklung vor. Die Aufgaben der Vermögenssicherung im ungeklärten Fall beschreibt der Artikel zur Nachlassverwaltung. Auslandssituationen (Auslandssitze, Auslandsvermögen) können durch das Europäische Nachlasszeugnis erleichtert werden. Wer Verschollenheit und Tod klären muss, findet den Ablauf im Artikel zur Todeserklärung Verschollener.

Der Nachlass beim Fiskus

Als Letzter in der Reihe tritt der Staat an: Er erbt mit allen Rechten und Pflichten — auch mit Schulden. Ist der Nachlass überschuldet, kann der Fiskus die Erbschaft ausschlagen. Praktisch läuft der Fiskalerbfall über die Finanzverwaltung des Landes; das Vermögen fließt in den Staatshaushalt. Manche Bundesländer verwenden solche Erbschaften dokumentiert für soziale Zwecke — eine Praxis, die den Gedanken wachhält: Auch ohne Angehörige bleibt Vermögen Teil einer Gemeinschaft.