Was ist die letzte Salbung?
Die letzte Salbung — kirchlich korrekt: Krankensalbung — ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Gespendet wird sie mit konsekriertem Öl, dem Chrisam oder Krankenöl, das der Bischof in der Chrismamsse am Gründonnerstag weiht. Der Priester salbt dabei Stirn und Hände des Kranken und spricht die vorgeschriebenen Worte: Durch diese heilige Salbung möge der Herr in seiner Liebe und Güte dir helfen mit der Gnade des Heiligen Geistes. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde das Sakrament fast ausschließlich Sterbenden gespendet — daher der Name Extreme Unctio (letzte Ölung) und die Volksbezeichnung letzte Salbung. Heute versteht die Kirche die Krankensalbung als Sakrament der Stärkung für alle schwer Kranken, auch für Menschen in Lebensgefahr, vor Operationen oder im hohen Alter.
Vom Zweiten Vatikanischen Konzil zur modernen Praxis
Die Wende kam mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965). Die Konzilsväter betonten: Die Krankensalbung ist nicht das Sterbesakrament, sondern das Sakrament der Heilung und Stärkung. Papst Paul VI. ordnete 1972 in der Apostolischen Konstitution Sacram Unctionis Infirmorum die Reform an: Weg vom Namen Extreme Unctio, hin zur Bezeichnung Ordo Unctionis Infirmorum — Ordnung der Krankensalbung. In der Praxis bedeutet das: Die Salbung darf wiederholt gespendet werden, wenn ein Kranker in eine neue gesundheitliche Krise gerät. In der Sterbebegleitung ist sie dennoch zentral geblieben — in der deutschen Volksfrömmigkeit ist die letzte Salbung bis heute fester Bestandteil eines katholischen Sterbens. Die Sterbenden selbst wünschen sie häufig, auch wenn sie kirchlich nicht mehr aktiv waren.
Die drei Sterbesakramente im Überblick
In der katholischen Tradition begleiten drei Sakramente den Menschen auf seiner letzten Wegstrecke. Sie werden oft zusammen gespendet, wenn der Priester zur Sterbebegleitung gerufen wird.
| Sakrament | Bedeutung | Empfänger |
|---|---|---|
| Beichte (Bußsakrament) | Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott | Der Kranke mit reuigem Herzen |
| Krankensalbung | Stärkung, Trost, ggf. körperliche Heilung | Gläubige in ernster Krankheit oder Todesgefahr |
| Wegzehrung (Eucharistie) | Viaticum — Wegzehrung für den Weg ins ewige Leben | Kranke und Sterbende in Kommunion |
Der Ablauf: was passiert bei der Spendung?
Die Spendung der Krankensalbung ist schlicht und dauert nur wenige Minuten. Der Ablauf in der Regel:
- Der Priester begrüßt den Kranken und spricht ein kurzes Eingangsgebet.
- Optional: Beichte des Kranken — auch kurz möglich, wenn keine Kraft für ausführliche Gespräche da ist.
- Der Priester legt dem Kranken die Hände auf — eine uralte Geste des Segens.
- Dankgebet über dem Öl (falls kein geweihtes Öl vorhanden, weiht der Priester hier).
- Salbung der Stirn und der beiden Handinnenflächen mit den Worten der Spendung.
- Schlussgebet; bei Sterbenden oft direkt die Wegzehrung (Kommunion).
- Optional: Apostolischer Segen mit volläbigem Ablass für Sterbende.
Wer darf die Salbung spenden und empfangen?
Spender der Krankensalbung kann nur ein Priester oder Bischof sein — anders als bei der Taufe, die im Notfall auch ein Laie spenden darf. Empfangen kann sie jeder getaufte Katholik, der in ernster Krankheit oder Todesgefahr ist; viele Bistümer empfehlen die Salbung auch im höheren Alter. Nicht-katholische Christen können die Salbung in Todesgefahr unter bestimmten Voraussetzungen empfangen (etwa orthodoxe Gläubige, wenn kein Priester ihrer eigenen Kirche erreichbar ist). Wie die kirchliche Begleitung von Sterbenden insgesamt organisiert ist, beschreibt der Artikel zum Pfarrer bei der Beerdigung; die evangelische Sicht auf Sterben und Segen unterscheidet sich grundlegend — hier gibt es keine Salbung als Sakrament, sondern Gebet und Segenszusagen.
Salbung im Kontext: Sterbebegleitung in Hospiz und Krankenhaus
In der modernen Sterbebegleitung ist die letzte Salbung ein Baustein unter vielen. Pflegeheime, Hospize und Krankenhäuser haben Verfahrenswege, wie ein Priester gerufen wird — meist über das Pfarrbüro oder den Klinikseelsorger. Wichtig: Die Salbung kann auch zu Hause gespendet werden, bei bettlägerigen Menschen ohne Transport. In der Palliativmedizin wird die Begleitung ganzheitlich verstanden: medizinische Schmerzlinderung, psychologische Unterstützung, soziale und spirituelle Bedürfnisse gehören zusammen. Die Seelsorge ist in deutschen Krankenhäusern vertraglich verankert — der Patient hat ein Recht auf religiöse Begleitung unabhängig von Konfession. Wie Angehörige Sterbende begleiten können und wo die Grenzen liegen, zeigt der Artikel zur Begleitung am Sterbebett.
Theologie: Was die Salbung bewirkt
Nach katholischer Lehre bewirkt die Krankensalbung drei Dinge: Erstens die Gnade des Heiligen Geistes, die dem Kranken hilft, der Krankheit oder dem Sterben mit Glauben zu begegnen. Zweitens die Vergebung der Sünden — auch wenn die Sündenvergebung primär in der Beichte liegt, wirkt die Salbung hier mit. Drittens — wenn Gott es will — auch körperliche Heilung. Die Theologie betont: Die Salbung ist kein automatisches Wunderheilungsmittel, sondern ein Gnadenmittel, das den Menschen in seiner Ganzheit stärkt. Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 1520–1523) beschreibt das Sakrament als Verbindung des Kranken mit dem Leiden Christi und als Vorbereitung auf den Übergang ins ewige Leben.
Geschichte: von Jakobus 5 zum modernen Ritual
Die biblische Grundlage ist kurz und prägnant: Im Jakobusbrief (Jak 5,14–15) heißt es: Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Presbyter der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihm sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten. Von der Alten Kirche über das Mittelalter bis zur Neuzeit wurde Öl zur Stärkung, Heilung und Segnung verwendet — in der Ostkirche mit großzügigeren Regeln (dort wird die Salbung oft an mehreren Körperstellen vollzogen). In der Orthodoxie heißt das entsprechende Sakrament Heilige Ölung — die Parallelen zur katholischen Praxis sind groß, was nicht erstaunt, denn beide Kirchen teilen das erste Jahrtausend. Wie orthodoxe Sterbebräuche aussehen, beschreibt der Artikel zur orthodoxen Bestattung.
Praktische Fragen: Was Angehörige tun sollten
Wenn ein Angehöriger stirbt, ist die Zeit knapp — und die Nerven liegen blank. Praktische Hinweise: Nicht warten, bis der Patient bewusstlos ist — die Salbung kann bei klarem Bewusstsein bewusster geschehen. Pfarrbüro oder Klinikseelsorge anrufen; in Akutfällen kommen Priester auch nachts. Falls der Kranke selbst nicht mehr äußern kann, was er wünscht, entscheidet der mutmaßliche Wille — Katholiken haben in der Regel eine christliche Bestattungsvorsorge oder haben mit Angehörigen gesprochen. Nach dem Tod: Die Salbung ersetzt nicht die Bestattung; die kirchliche Begleitung geht weiter mit dem Exequien-Ritus und dem Requiem. Was die Liturgie für Trauernde bereitstellt, zeigt der Artikel zu Trauergebeten.



