Was ist eine jüdische Bestattung?

Die jüdische Bestattung ist eines der ältesten und am strengsten geregelten Bestattungsrituale. Grundprinzip: Demut vor Gott und Gleichheit aller Menschen im Tod. Der Verstorbene wird so schnell wie möglich in schlichte weiße Leinentücher gehüllt und in der Erde beigesetzt — ohne Blumenschmuck, ohne prunkvolle Grabmale.

Der Ablauf

Tahara — die rituelle Reinigung

Die Chewra Kadischa (rituelle Bestattungsgesellschaft) wäscht den Verstorbenen vollständig: Eintauchen in Wasser mit festen Gebeten, sorgfältige körperliche Reinigung. Männer waschen Männer, Frauen Frauen.

Tachrichim — die Leinentücher

Der Verstorbene wird in weiße Leinentücher gehüllt — dieselbe schlichte Kleidung wie am Versöhnungstag. Keine persönlichen Gegenstände: Nackt kam ich, nackt gehe ich.

Arnoth — der einfache Sarg

Der schlichte Holzsarg ist meist aus unlackiertem Holz. Manche fromme Kreise bestatten ganz ohne Sarg.

Die Trauerfeier (Levaja)

Schlicht und intensiv: Psalmen, das Kaddisch (Gebet der Söhne), die Totenrede. Kein Blumenschmuck; Kränze sind unüblich. Der Sarg wird von Gemeindemitgliedern getragen.

Die Beisetzung

Der Sarg wird gesenkt, die Anwesenden werfen je drei Handvoll Erde ins Grab. Gemeindemitglieder füllen das Grab vollständig — eine gute Tat, die niemand Fremden überlassen wird.

Die Trauerzeiten

  • Schiva (7 Tage): Die Familie sitzt zu Hause auf niedrigen Stühlen, empfängt Trauergäste, betet.
  • Schloschim (30 Tage): Erste Wochen mit Einschränkungen.
  • Avelut (11 Monate): Kinder sprechen das Kaddisch für den Verstorbenen.
  • Jahrzeit: Jährlicher Gedenktag mit Kerze und Kaddisch.

Der jüdische Friedhof

Jüdische Friedhöfe (Beth Chaim, Haus des Lebens) sind auf ewig angelegt: Grabstätten werden niemals aufgelöst oder neu belegt. Aus diesem Grund sind jüdische Friedhöfe oft historische Orte mit Jahrhunderte alten Grabsteinen — sie stehen unter Denkmalschutz. Auf Grabsteinen werden kleine Steine abgelegt statt Blumen.