Was ist eine islamische Bestattung?

Die islamische Bestattung folgt klaren religiösen Vorschriften: Der Verstorbene wird rituell gewaschen, in einfache weiße Tücher gehüllt und ohne Sarg oder in einem einfachen Sarg bestattet — mit dem Gesicht Richtung Mekka. Die Bestattung soll so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 24 Stunden, erfolgen.

Der rituelle Ablauf

1. Totenwaschung (Ghusl)

Der Verstorbene wird von Angehörigen desselben Geschlechts oder einem geschulten Gemeindemitglied rituell gewaschen: mit klarem Wasser in fester Reihenfolge, mit Sidr (Lotosblättern) und Kampfer. Die Waschung ist ein Akt der Würde und Reinigung für das Treffen mit Allah.

2. Einkleidung (Kafan)

Der Verstorbene wird in drei (Männer) bis fünf (Frauen) einfache weiße Tücher gewickelt — kein Luxus, alle Muslime gleich vor Gott.

3. Totengebet (Salat al-Dschanaza)

Die Gemeinde versammelt sich und betet das Totengebet — stehend, ohne Niederwerfung. Ein Fürbittgebet, das die Gemeinschaft der Muslime über den Tod hinaus verbindet.

4. Bestattung (Dafn)

Der Verstorbene wird seitlich in die Erde gelegt, mit dem Gesicht Richtung Mekka, oft in einer Grabnische. Auf den Körper wird direkt Erde gegeben. Das Grab wird leicht gewölbt; eine namentliche Kennzeichnung ist üblich, prunkvolle Grabmale nicht.

Islamische Gräber in Deutschland

Viele deutsche Friedhöfe weisen heute islamische Grabfelder aus. Kernanforderungen:

  • Bestattung ohne Sarg oder in erdoffenem Sarg (Satzungsfrage)
  • Ausrichtung des Grabes nach Mekka
  • Möglichst lange Ruhezeiten — islamische Gräber sollen nicht neu belegt werden (in Deutschland Kompromisse nötig)
  • Keine Exhumierung außer in Notfällen

Überführung in die Heimat

Viele muslimische Familien überführen Verstorbene in die Herkunftsländer. Die Überführung dauert 3-14 Tage und kostet 2.000-6.000 Euro; der Bestatter organisiert Konsularbescheinigungen und Transport. Rechtlich gilt in Deutschland: Verstorbene können wahlweise hier oder im Ausland bestattet werden.