Was ist der Volkstrauertag?
Der Volkstrauertag ist der staatliche Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland für die Kriegstoten beider Weltkriege und die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Er ist kein gesetzlicher Feiertag, wird aber als stiller Tag begangen und zählt zu den wichtigsten Gedenktagen im deutschen Jahreskalender. Im Mittelpunkt steht die staatliche Gedenkfeier im Deutschen Bundestag, bei der traditionell der Bundespräsident die Gedenkrede hält.
Gelegen wird der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Advent — und damit eine Woche vor dem Totensonntag. 2026 fällt er auf Sonntag, den 15. November, 2027 auf den 14. November. In den Kommunen legen Delegationen Kränze an Ehrenmalen und Soldatenfriedhöfen nieder; vielerorts läuten die Glocken, und auf öffentlichen Gebäuden weht die Bundesflagge auf halbmast. Die Gedenkformel des Volksbundes lautet: Gedenken der Toten, Mahnung an die Lebenden.
Geschichte: Von 1922 bis zur Gegenwart
Die Ursprünge des Volkstrauertags liegen in der Weimarer Republik: 1922 schlug der damals junge Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Gedenktag für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs vor, 1925 fand die erste zentrale Gedenkfeier in Berlin statt, und 1926 wurde der Termin auf den fünften Sonntag der Passionszeit gelegt. Während des Nationalsozialismus wurde der Tag 1934 zum Heldengedenktag umgedeutet — aus dem Trauertag wurde eine Feier der glorifizierten Soldaten, die dem Geist des Tages widersprach.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm der Volksbund die alte Idee in veränderter Gestalt wieder auf: 1950 beging der Deutsche Bundestag erstmals eine eigene Gendenkfeier, seit 1952 gilt der heutige Termin zwei Sonntage vor dem ersten Advent und damit eine Woche vor dem Totensonntag. Der Gedenkauftrag wurde bewusst erweitert: Heute erinnert der Tag an die Soldaten beider Weltkriege, an zivile Opfer von Krieg, Vertreibung und Bombardierung sowie an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Damit ist der Volkstrauertag ein Tag der Trauer und der Mahnung, kein militärischer Heldengedenktag. Wo die Toten liegen, beschreibt der Artikel Kriegsgräberstätten.
Ablauf und Bräuche am Volkstrauertag
Der Tag folgt einem festen, in ganz Deutschland ähnlichen Rahmen:
- Staatliche Gedenkfeier im Bundestag — mit Kranzniederlegung, Musik und der Gedenkrede des Bundespräsidenten; die öffentlich-rechtlichen Medien berichten.
- Flaggen auf halbmast — auf Bundes- und Landesbehörden, Kasernen und vielen öffentlichen Gebäuden.
- Kranzniederlegungen vor Ort — an Ehrenmalen, Kriegerdenkmalen und auf Soldatenfriedhöfen; Delegationen von Kommunen, Verbänden, Schulen und Schützengesellschaften legen Kränze nieder (zur Symbolsprache der Denkmäler im Artikel Kriegerdenkmal).
- Gottesdienste und Gedenkfeiern — häufig am Vorabend oder am Sonntagvormittag, oft mit Posaunenchor; der Ablauf einer typischen Feier wird im Artikel Gedenkfeier beschrieben.
- Friedhofsbesuche — Familien nutzen den Tag vielerorts, um auch der eigenen Verstorbenen zu gedenken.
Was wird am Volkstrauertag gedacht?
Der Inhalt des Gedenkens hat sich seit 1952 mehrfach erweitert. Standen zunächst die deutschen Soldaten der beiden Weltkriege im Mittelpunkt, so gilt das Gedenken heute ausdrücklich allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft — unabhängig von Nationalität: den zivilen Bombenopfern, den Geflüchteten und Vertriebenen, den ermordeten Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten und Zwangsarbeitern. Gedenkreden betonen deshalb regelmäßig den Charakter des Tages als Friedenspflicht: Die Erinnerung an die Toten soll künftige Generationen vor Krieg bewahren.
Damit unterscheidet sich der Volkstrauertag von militärischen Gedenktagen anderer Staaten — etwa dem britischen Remembrance Sunday — und von kirchlichen Totensonntagen, die das allgemeine Totengedenken feiern. Die drei großen Gedenktage im November im Vergleich:
| Gedenktag | Charakter | Termin | Anlass |
|---|---|---|---|
| Volkstrauertag | staatlich | 2 Sonntage vor dem 1. Advent | Kriegstote, Opfer von Gewaltherrschaft |
| Totensonntag | evangelisch | Sonntag vor dem 1. Advent | alle Verstorbenen des Jahres |
| Allerseelen | katholisch | 1. November | Heilige und Verstorbene |
Die kirchlichen Tage vertiefen die Artikel Totensonntag und Volkstrauertag und Allerseelen; wer die Gedenktage im Jahreslauf im Blick behalten will, findet im Artikel Gedenktage im Jahreskreis einen Überblick.
Stiller Tag: Feiertagsstatus und Bundesland-Unterschiede
Der Volkstrauertag ist gesetzlich kein Feiertag — Geschäfte bleiben offen, und es besteht kein Anspruch auf arbeitsfreie Zeit. Als stiller Tag steht er jedoch in den Feiertagsgesetzen vieler Bundesländer unter Schutz: In Ländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sind öffentliche Lustbarkeiten an diesem Tag eingeschränkt, Tanzveranstaltungen und laute Festveranstaltungen können untersagt sein. In anderen Ländern gilt der Tag ohne besondere Auflagen. Wer eine Veranstaltung am Volkstrauertag plant, sollte die Regelung des eigenen Landes prüfen.
Praktisch gilt für die meisten Familien: Der Volkstrauertag liegt an einem Sonntag, arbeitsrechtlich ändert sich also nichts. Die Gedenkfeiern finden am Vormittag und frühen Nachmittag statt; Friedhöfe mit Ehrengräbern und Soldatenfriedhöfen haben regulär geöffnet. Der Volksbund und örtliche Friedhofsverwaltungen veröffentlichen die Termine der Feiern in den Wochen zuvor.
Volkstrauertag und private Trauer
Für trauernde Familien ist der Volkstrauertag oft auch ein privater Anlass: Viele verbinden den Sonntag mit einem Grabbesuch, entzünden ein Grablicht oder legen am Grab eines im Krieg gefallenen Angehörigen einen Kranz nieder. Für Familien, die einen Soldaten der Weltkriege in der eigenen Familiengeschichte suchen, bietet der Volksbund Suchdienste für Kriegsgräber an; die großen Kriegsgrabanlagen beschreibt der Artikel Kriegsgräber. Auch der Übergang zum Totensonntag eine Woche später ist für viele ein Anlass, der Verstorbenen des eigenen Umkreises zu gedenken.
Trauerbegleiter empfehlen, das öffentliche und das private Gedenken zu verbinden: der Feier am Denkmal zu folgen, danach Zeit am Grab zu verbringen und den Tag bewusst ruhig ausgehen zu lassen. Wer selbst eine Gedenkfeier plant oder eine Traueranzeige zum Jahrestag aufgeben möchte, findet Anregungen im Artikel Traueranzeige.
Statistik und Fakten
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge pflegt heute mehr als 800 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern (Stand 2024) mit den Gräbern von rund 2 Millionen Bestatteten — der größte Teil davon auf Soldatenfriedhöfen in Osteuropa. Die Zahl der deutschen Kriegstoten beider Weltkriege wird auf mehr als sieben Millionen geschätzt (Schätzwert der Historiker); wie viele zivile Opfer die nationalsozialistische Gewaltherrschaft forderte, lässt sich nicht mehr genau beziffern.
Wissenswertes am Rande: Der Volkstrauertag ist der einzige staatliche Gedenktag Deutschlands mit einer eigenen Zeremonie im Bundestag. International vergleichbar sind der britische Remembrance Sunday und der australische und neuseeländische Anzac Day — alle haben ihren Ursprung im Ersten Weltkrieg. Der deutsche Volkstrauertag unterscheidet sich von ihnen durch den ausdrücklichen Bezug auf die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
GUT ZU WISSEN
Der Volkstrauertag 2026 fällt auf Sonntag, den 15. November — zwei Sonntage vor dem ersten Advent, eine Woche vor dem Totensonntag. Er ist kein Feiertag, sondern ein stiller Gedenktag: Geschäfte dürfen öffnen, öffentliche Feiern sind in vielen Ländern eingeschränkt. Wer eine Gedenkfeier besuchen will, findet Termine beim Volksbund oder bei der örtlichen Friedhofsverwaltung.



