Wenn das Geld für die Bestattung fehlt
Der Tod kostet Geld — doch nicht jede Familie hat es. Stirbt ein Mensch ohne Vermögen und sind die Angehörigen zahlungsunfähig, greift ein gesetzlicher Anspruch: Die Übernahme der Bestattungskosten nach § 74 SGB XII. Der Staat sorgt damit dafür, dass niemand unbestattet bleibt und dass die Würde des Verstorbenen gewahrt bleibt. Das Verfahren ist etabliert, aber vielen unbekannt.
Rechtsgrundlage und Anspruch
Der Sozialhilfeträger — meist das Sozialamt — übernimmt die Bestattungskosten, soweit sie weder vom Verstorbenen noch von den Unterhaltspflichtigen aufgebracht werden können. Grundlage sind die Regeln zur Sozialbestattung, wie sie im Artikel zur Sozialbestattung beschrieben sind. Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob die Angehörigen bestattungspflichtig sind; auch ein Bevollmächtigter kann die Kostenübernahme beantragen. Seit der gesetzlichen Verankerung der Bestattungsvollmacht im Jahr 2021 darf das Amt die Kosten nicht mehr allein deshalb verweigern, weil eine Vertrauensperson statt der pflichtigen Angehörigen gehandelt hat.
Voraussetzungen im Einzelnen
- Kein Nachlass: Konto, Vermögen und Versicherungen des Verstorbenen decken die Kosten nicht.
- Keine Mittel der Angehörigen: Die bestattungspflichtigen Angehörigen können die Kosten nicht zumutbar aufbringen.
- Angemessene Kosten: Die Bestattung entspricht dem einfachen, würdigen Standard — keine Luxusleistungen.
Zumutbarkeit heißt nicht, dass Angehörige sich verschulden müssen; entscheidend sind Einkommen, Vermögen und familiäre Situation. Erben, die die Erbschaft ausgeschlagen haben, brauchen in der Regel nicht zu zahlen — Details regeln die Artikel zur Erbausschlagung und zur Haftung mit dem Nachlass.
Das Antragsverfahren
| Schritt | Was zu tun ist |
|---|---|
| Antrag | schriftlich beim Sozialamt, idealerweise vor der Bestattung |
| Nachweise | Kostenvoranschlag des Bestatters, Sterbeurkunde, Nachweis der Mittellosigkeit, Kontoauszüge |
| Prüfung | Amt prüft Nachlass und Einkommensverhältnisse der Pflichtigen |
| Bescheid | Bewilligung bis zur angemessenen Grenze oder Ablehnung mit Begründung |
| Auszahlung | direkt an den Bestatter oder als Erstattung |
Der Antrag kann auch nach der Bestattung gestellt werden; dann übernimmt das Amt die Kosten im Nachhinein. Wichtig: Die Bestattung darf nicht verschoben werden — die Bestattungsfristen gelten auch ohne Geld.
Was übernommen wird — und was nicht
Die Übernahme orientiert sich am einfachen Standard: einfacher Sarg oder Urne, Grundleistung des Bestatters, Friedhofsgebühren für ein Reihengrab. Nicht übernommen werden Luxusleistungen, teure Trauerdrucke oder aufwendige Grabmale. Manche Sozialämter arbeiten mit Pauschalen, die örtlich variieren. Für die Angehörigen bleibt häufig eine Restlücke, wenn die gewählte Bestattung über dem einfachen Standard lag; deshalb ist es klug, bei knappen Mitteln früh mit dem Bestatter über ein kostengünstiges, würdevolles Konzept zu sprechen. Alternativen sind die Ratenzahlung, ein Bestattungskredit oder Zuschüsse wie die Bestattungsbeihilfe für Beamte und die Sterbegeld-Leistungen mancher Versicherungen und Kassen.
Würde unabhängig vom Budget
Die öffentliche Kostenübernahme sichert, dass jede Bestattung würdevoll möglich ist. Der Staat ersetzt damit historische Armenbestattungen durch einen gesetzlichen Anspruch, der die Würde des Toten in den Mittelpunkt stellt. Wer die Situation kennt, handelt gelassen: Antrag früh, Belege vollständig, Wünsche klar benennen — so bleibt selbst bei leerem Konto der Abschied in den Händen der Familie und nicht des Geldbeutels.



