Das Vermächtnis (Legat)

Das Vermächtnis ist die gezielte Zuwendung einzelner Gegenstaende oder Summen — ohne den Beguenstigten zum Erben zu machen: 'Meine Nichte erhaelt meine Schmucksammlung' oder 'Mein Freund erhaelt 5.000 €'. Es ist ein Nebeneffekt des Testaments — aber maechtig und flexibel.

Vermächtnis vs. Erbeinsetzung

PositionHaftungPflichtteil
AspektErbeVermächtnis
Erbt den Nachlass (mit Schulden!)Erhält nur den Gegenstand/die Summe
Mit eigenem Vermoegen fuer Nachlass-SchuldenKeine Haftung (nur Anspruch)
BerechnungsgrundlageZusaetzlich zum Pflichtteil (haeufig angerechnet)
SteuerNach VerwandtschaftsgradNach Verwandtschaftsgrad (gleiche Klassen)

Die Arten von Vermächtnissen

  • Stückvermächtnis: Ein konkreter Gegenstand ('das Klavier', 'der Schmuck')
  • Wertvermächtnis: Eine Summe ('10.000 €')
  • Gattungsvermächtnis: Eine Gattung ('ein Auto aus meinem Bestand')
  • Vorausvermächtnis: An Miterben vor der Teilung ('Meine Tochter erhaelt zusaetzlich das Auto vorab')

Wann Vermächtnisse sinnvoll sind

  • Patchwork-Familien: Stiefkinder und Lebenspartner bedenken, ohne Erbfolge zu veraendern (Details: Erbrecht in Patchwork-Familien)
  • Emotionale Gegenstaende: Der Enkel bekommt das Modellauto, die Freundin die Bibliothek — ohne Erb-Streit
  • Kleine Geschenke: Erinnerungsstuecke an Freundeskreis, Pflegekrafte, Vereine
  • Freihaltung von Schulden: Der Beguenstigte erhaelt nur den Gegenstand — Nachlass-Schulden bleiben bei den Erben

Formulierung im Testament

  1. Klar benennen: 'Mein Neffe [Name, Adresse] erhaelt mein Violoncello' — eindeutig identifizierbar
  2. Bedingungen: Moeglich ('sofern er das Instrument spielt') — aber Vorsicht bei Komplexitaet
  3. Ersatzbeguenstigten: Falls der Erstbeguenstigte vorher stirbt ('ersatzweise seine Kinder')
  4. Vermächtnisnehmer ausgeschlossen: Wer nicht bedacht werden soll, muss nicht erwaehnt werden