Wer sind die Mormonen?
Mit Mormonen sind im allgemeinen Sprachgebrauch die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gemeint, die 1830 in den USA entstand und heute weltweit rund 17 Millionen Mitglieder zählt, davon mehrere zehntausend in Deutschland. Die Mitglieder selbst sprechen lieber von Heiligen der Letzten Tage, da der Begriff Mormonen sich ursprünglich auf das von ihnen als Heilschrift verehrte Buch Mormon bezog. Die Kirche versteht sich als Wiederherstellung der ursprünglichen Kirche Christi durch Propheten.
Für die Bestattungskultur wichtig ist die Lehre vom Plan des Heils: Das irdische Leben ist eine Prüfungszeit; der Tod ist kein Ende, sondern ein Übergang. Der Körper gilt als Tempel und als wesentlicher Teil der Person, weil die Auferstehung leiblich verstanden wird — Geist und Körper werden wiedervereint. Aus dieser Überzeugung ergibt sich der Grundzug der mormonischen Bestattung: Ehrfurcht vor dem Körper, Freude über die Hoffnung und bewusste Schlichtheit.
Sterben und Auferstehung in der Lehre
In der Theologie der Heiligen der Letzten Tage geht der Geist des Menschen unmittelbar nach dem Tod in die Geisterwelt, wo die Verstorbenen weiterleben und — das ist eine Besonderheit dieser Gemeinschaft — auch weiterhin missionarisch tätig sein können. Die Taufe für Verstorbene durch Stellvertretung, die in den Tempeln vollzogen wird, ist ein lebendiger Teil der Frömmigkeit: Mitglieder lassen sich stellvertretend für bereits verstorbene Vorfahren taufen, damit diese im Jenseits die vollständige Heilordnung annehmen können. Diese Tempelarbeit hat nichts mit der Bestattungszeremonie zu tun, sondern findet getrennt davon statt.
Die Auferstehung erwartet die Gläubigen als leibliche Auferstehung, in der die Person mit ihrem verklärten Körper weiterlebt. Deshalb gilt der Leib des Verstorbenen als würdevoll zu behandeln — eine Haltung, die sich mit der christlichen Tradition insgesamt deckt, wie sie der Artikel Christliche Bestattung darstellt.
Der Ablauf einer mormonischen Trauerfeier
Es gibt keine vorgeschriebene Totenliturgie. Typisch ist jedoch ein klarer Rahmen, der sich in der örtlichen Gemeinde — in der örtlichen Gemeinde — abspielt:
- Zeitpunkt: Die Bestattung findet meist innerhalb einer Woche nach dem Tod statt, häufig am Samstag, damit möglichst viele Gemeindeglieder teilnehmen können.
- Rahmen: Die Trauerfeier wird in der Regel im Gemeindezentrum abgehalten, oft mit offenem Sarg; die Aufbahrung ist üblich, aber nicht verpflichtend.
- Musik: Gemeindelieder und Familienmusik prägen den Anfang und das Ende; sie sind getragen von der Auferstehungshoffnung statt von Klage.
- Ansprachen: Statt eines bezahlten Geistlichen halten Familienangehörige, Freunde oder Gemeindeglieder kurze Ansprachen über Leben, Glauben und Hoffnung des Verstorbenen. Auch die Lebensgeschichte wird erzählt.
- Gebet: Ein Gemeindeglied spricht ein freies Gebet; vorgegebene Texte gibt es nicht.
- Grabweihe: Am Grab wird allein ein kurzes Weihgebet gesprochen, das ein Träger des Melchisedekischen Priestertums verrichtet. Weitere Grabriten gibt es nicht.
Auffällig ist, was fehlt: Das Kreuz erscheint weder am Sarg noch in der Trauerhalle, weil es in dieser Kirche nicht als Symbol verehrt wird. Auch Trauerflor, Weihrauch oder liturgische Gewänder spielen keine Rolle. Die Feier wirkt für außenstehende Gäste oft überraschend persönlich und freundlich geprägt.
Kleidung, Sarg und Symbole
Verstorbene, die das Tempelendowment empfangen haben, werden in der Regel in ihrer Tempelkleidung beigesetzt — weißen Gewändern, die die Bundestreue symbolisieren. Mitglieder ohne Endowment werden meist in schlichter weißer oder ihrer eigenen Kleidung bestattet. Der Sarg selbst ist einfach, meist aus hellem Holz; Prunk ist ausdrücklich unerwünscht. Blumenschmuck ist erlaubt und üblich, häufig in Weiß, wie der Artikel Blumenschmuck bei der Bestattung die Symbolik der Farben erklärt.
Für die Trauergäste gilt schlichte, dezente Kleidung; tiefschwarze Trauervorschriften wie im viktorianischen England kennt die Gemeinschaft nicht. Kinder nehmen in der Regel an der Feier teil — der offene Umgang mit Tod und Auferstehung gilt als Teil der religiösen Erziehung, die der Artikel Kinder und Trauer aus allgemeiner Sicht beschreibt.
Feuerbestattung: erlaubt, aber nicht bevorzugt
Die Kirche verbietet die Einäscherung nicht, rät aber deutlich von ihr ab. Weil die Auferstehung leiblich verstanden wird und der Körper als Tempel gilt, gilt die Erdbestattung als wünschenswerte Norm; wer einäschern lässt, begeht nach Kirchenlehre keine Sünde, verpasst aber das Ideal. In Ländern mit Friedhofszwang und flächendeckender Feuerbestattungspraxis, wie in weiten Teilen Deutschlands üblich, kommt die Erdbestattung dennoch häufig vor, weil Gemeinden und Familien sie bewusst wählen. Die Kostenunterschiede beider Formen beschreibt der Artikel Kosten der Urnenbestattung im Vergleich.
Bestattung in Deutschland: praktische Hinweise
In Deutschland arbeiten die Gemeinden der Heiligen der Letzten Tage mit örtlichen Bestattern zusammen, die keine konfessionellen Besonderheiten mitbringen müssen — der Ablauf lässt sich mit jedem Bestatter realisieren. Einige Punkte sind in der Organisation zu beachten: Die Ansprachen werden von Laien gehalten und brauchen Zeit zur Vorbereitung; die Gemeinde koordiniert meist die Musik und stellt Räumlichkeiten für ein gemeinsames Essen zur Verfügung, bei dem die Trauergäste zusammensitzen — eine Praxis, die dem traditionellen Leichenschmaus entspricht, wie der Artikel Leichenschmaus ihn beschreibt.
Für den Grabstein gibt es keine konfessionellen Vorgaben; viele Familien wählen schlichte Steine mit Familiennamen und einem Zitat aus den heiligen Schriften. Da die Kirche keine Seelenmessen für Verstorbene kennt, gibt es keine wiederkehrenden Grabriten; das Gedenken findet in der Familie statt, etwa anlässlich von Jahrestagen, wie der Artikel Jahresgedächtnis es schildert. Auch die Bestattungsverfügung, mit der Mitglieder ihre Wünsche dokumentieren können, ist mit der religiösen Praxis vereinbar — der Artikel Bestattungsverfügung erklärt die rechtliche Seite.
Trauer und Hoffnung
Mormonische Trauerfeiern wirken auf viele Besucher erstaunlich hoffnungsvoll. Das entspricht der Lehre: Trauer ist erlaubt und menschlich, aber sie ist eingebettet in die Gewissheit, dass Familien über den Tod hinaus zusammengehören können. Die Tempelsiegelung der Familie — die Vorstellung, dass Ehe und Familie für die Ewigkeit gesiegelt werden können, prägt den Ton der Ansprachen. Ausdruck findet dies auch in Sprachbildern wie dem Schlaf, aus dem man erwacht, oder der Heimkehr zu Gott.
Für Trauernde selbst gibt es gleichwohl keine vorgeschriebenen Trauerregeln. Die Gemeinde organisiert praktische Hilfe — Essen, Betreuung, Besuche — und folgt damit dem Grundsatz, dass Trauer getragen wird, wenn Menschen sich umeinander kümmern. Wer eine mormonische Bestattung als Gast besucht, kann kaum etwas falsch machen: dunkle, dezente Kleidung, Pünktlichkeit und eine persönliche Anteilnahme genügen; Blumenspenden und Kondolenzbesuche folgen den allgemeinen Umgangsformen, wie der Artikel Kondolenzbesuch sie beschreibt.



