Ein Kindsarg ist ein Sarg, der in seiner Länge, seiner Breite und seiner ganzen Gestaltung auf ein verstorbenes Kind abgestimmt ist. Für Eltern und Geschwister ist die Auswahl dieses letzten Behältnisses einer der schwersten Momente der Trauer — und zugleich eine Möglichkeit, dem Kind einen behutsamen, persönlichen Abschied zu schenken. Der folgende Artikel erläutert die Größen und Materialien, den Ablauf einer Kinderbestattung, die anfallenden Kosten und die vielen kleinen Möglichkeiten, den Kindsarg mit Leben und Erinnerung zu füllen.
Was ist ein Kindsarg?
Ein Kindsarg unterscheidet sich von einem Erwachsenensarg vor allem durch seine Maße und seine Anmutung. Er ist kürzer, schmaler und meist leichter gebaut, damit er von den Trauernden getragen und betrachtet werden kann, ohne zu überfordern. Die Form entspricht dem klassischen Sarg: ein trapezförmiger Korpus, an den Schultern breiter und am Fußende schmaler, meist mit gewölbtem Deckel. Viele Modelle sind in hellen, sanften Farben gehalten — Weiß, Zartgrün oder Rapsgelb — oder tragen kindgerechte Motive wie Monde, Sterne oder kleine Tiere.
Die Entscheidung für einen Kindsarg trifft meist die Familie gemeinsam mit dem Bestattungsinstitut. Nicht jedes Unternehmen hat Erfahrung mit Kinderbestattungen; viele Bestatterinnen und Bestatter, die auf diesen Bereich spezialisiert sind, nehmen sich besonders viel Zeit und begleiten die Eltern behutsam durch alle Schritte — von der hygienischen Versorgung bis zur Wahl der Grabstelle.
Größen und Maße: Vom Sternenkind bis zum Jugendlichen
Kindsärge werden nach der Körpergröße des Kindes gewählt. Die Hersteller bieten feste Standardmaße an, die in der Regel bis zu einer Länge von etwa 140 cm reichen; darüber gehen die Übergänge zu den Erwachsenengrößen fließend. Die folgende Übersicht zeigt die üblichen Größen:
| Körpergröße des Kindes | Übliche Sarglänge | Hinweise |
|---|---|---|
| Früh- und Neugeborene | etwa 40 bis 60 cm | besonders zarte Ausführungen, oft „Sternenkind-Särge“ genannt |
| etwa 60 bis 90 cm | etwa 80 cm | häufigstes Maß für Kleinkinder; Innenmaße etwa 75 × 25 cm |
| etwa 90 bis 110 cm | etwa 100 cm | kindgerechte Motive wie Mond und Sterne sind verbreitet |
| etwa 110 bis 130 cm | etwa 120 cm | Übergang zu schlichteren, „erwachseneren“ Formen |
| ab etwa 130 cm | etwa 140 cm und mehr | Anschluss an Jugend- und Erwachsenengrößen |
Viele Bestattungshäuser halten Kindersärge in allen gängigen Größen vorrätig; Sonderanfertigungen nach Maß sind bei fast allen Sargmanufakturen möglich. Die genaue Passform übernimmt das Bestattungsinstitut, das den Sarg sorgfältig auf die Größe des Kindes abstimmt. Ausführliche Hintergründe zu Maßen und Normgrößen enthält der Beitrag zu den Sarggrößen.
Materialien und Ausstattung
Klassische Kindsärge bestehen aus leichten, weichen Hölzern wie Linde, Kiefer oder Buche. Sie werden häufig weiß lackiert oder in zarten Pastelltönen gehalten; beliebte Motive sind Mond und Sterne, kleine Teddybären oder Engelsfiguren. Auch geflochtene Kindersärge aus Weide oder Seegras sind erhältlich — eine ruhige, natürliche Variante, die sich gut mit einer Erdbestattung oder Feuerbestattung verbinden lässt.
Im Inneren sorgt eine weiche Ausstattung aus Baumwolle, einem kleinen Kissen und einer Decke für eine behutsame Einbettung. Viele Eltern legen dem Kind persönliche Gegenstände bei: ein Kuscheltier, eine Zeichnung des Geschwisterkindes, einen Brief oder ein Foto. Fast alle Institute ermöglichen dies; über die Bestattungsgesetze der Länder hinaus gibt es hier keine Einschränkungen, solange die Gegenstände den Ablauf der Beisetzung nicht stören.
Ein wichtiger Hinweis: Wer sich unsicher ist, ob ein Wunschgegenstand mit beigelegt werden darf, fragt im Vorfeld das Bestattungsinstitut oder die Friedhofsverwaltung. Bei einer Feuerbestattung sind etwa batterieschaltete Gegenstände oder Metalle ungünstig; manche Gegenstände müssen zurückbleiben, damit die Einäscherung reibungslos abläuft.
Der Kindsarg im Ablauf der Bestattung
Nach dem Tod eines Kindes gelten formal die gleichen Schritte wie bei Erwachsenen: Ärztliche Leichenschau und Todesbescheinigung, Meldung ans Standesamt, dann die Planung der Bestattung. Viele Bestattungsinstitute ermöglichen es den Eltern, sich in Ruhe zu verabschieden — am offenen Sarg im Abschiedsraum oder auch zu Hause. Ob eine offene Aufbahrung möglich und sinnvoll ist, klären die Bestatterinnen und Bestatter einfühlsam mit den Eltern.
Bei der Beisetzung selbst tragen oft Angehörige den kleinen Sarg. Manche Eltern wünschen das ausdrücklich, weil das Tragen ein letzter Wegbegleiter-Dienst ist; andere überlassen ihn den Profis des Instituts. Beides ist in Ordnung, und es gibt keine Pflicht — das Tempo und die Gestaltung der Bestattungszeremonie bestimmen die Familie.
Die Grabstelle für ein Kind ist auf vielen Friedhöfen ein eigenes Kindergrabfeld: ruhig gelegen, oft mit Spielplatz in der Nähe und niedrigerer Bepflanzung. Die Ruhezeiten sind auf Kindergräbern häufig kürzer, die Gebühren deutlich geringer. Mehr dazu im Beitrag zum Kindergrab.
Was kostet ein Kindsarg?
Der Preis für einen Kindsarg liegt meist zwischen rund 150 und 600 Euro; einfache Modelle aus Weichholz beginnen am unteren Rand, aufwendige Särge aus Massivholz oder mit individueller Gestaltung kosten mehr. Die Gesamtkosten einer Kinderbestattung sind meist deutlich niedriger als bei Erwachsenen — nicht nur wegen des Sarges, sondern auch wegen der geringeren Friedhofsgebühren und des häufig schlichteren Zuschnitts der Trauerfeier. Zum Vergleich: Für Erwachsene liegen die durchschnittlichen Gesamtkosten einer Bestattung bei rund 6.208 Euro (Athena-Studie 2024). Einen vollständigen Überblick über alle Positionen bietet der Beitrag zu den Bestattungskosten.
Sterbegeld von den gesetzlichen Krankenkassen gibt es seit 2004 nicht mehr. Manche privaten Versicherungen, Arbeitgeber oder Kommunen zahlen dennoch Beihilfen; auch Kinder, die für ein verstorbenes Elternteil halbwaisen- oder vollwaisenberechtigt sind, erhalten laufende Renten nach dem Sechsten Sozialgesetzbuch. Die Einzelheiten klären die Angehörigen am besten direkt mit dem Bestattungsinstitut, das mit den Kostenträgern regelmäßig zu tun hat.
Den Abschied persönlich gestalten
Der Kindsarg bietet Raum für sehr persönliche Gestaltung. Viele Manufakturen bemalen oder gravieren den Sarg mit Namen, Sternbildern oder Sprüchen; der Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt. Auch die Trauergemeinschaft kann einbezogen werden: Geschwister malen Bilder, die in den Sarg gelegt werden, Großeltern schreiben Briefe, Freundinnen und Freunde legen Blumen hinein. Solche Rituale geben der Trauer eine Form und helfen, das Abschiednehmen konkret zu gestalten.
Viele Eltern berichten, dass ihnen gerade diese Momente Halt gegeben haben — das gemeinsame Herrichten des Sarges, das Aussuchen der Decke, das letzte Wiegen. Unterstützung bei der Trauer bietet die professionelle Trauerbegleitung für Eltern; wie Kinder selbst einen Tod begreifen und begleitet werden können, beschreibt der Beitrag zu Kindern und Trauer.
Wenn das Kind vor der Geburt stirbt
Stirbt ein Kind noch vor oder während der Geburt, gelten besondere Regeln. Seit einer Reform des Personenstandsgesetzes im Jahr 2013 können Eltern auch bei einer Fehlgeburt eine urkundliche Bestätigung über die Geburt erhalten; totgeborene Kinder werden im Sterberegister beurkundet und erhalten auf Antrag eine Sterbeurkunde. In den meisten Bundesländern besteht für totgeborene Kinder ab einem Gewicht von 500 Gramm Bestattungspflicht; kleinere Fehlgeburten dürfen ebenfalls bestattet werden, müssen es aber nicht.
Für diese kleinsten Särge — oft „Sternenkindsärge“ genannt — gibt es zarte Ausführungen ab etwa 40 cm Länge, meist in Weiß. Viele Bestattungsinstitute und Kliniken begleiten Familien in dieser Situation unentgeltlich oder stark vergünstigt. Vertiefte Informationen enthalten die Beiträge zum Sternenkind, zur Trauer nach Fehlgeburt und zum Schwangerschaftsverlust.
Siehe auch
Weitere Beiträge rund um Abschied und Trauer bei Kindern: Kindergrab, Sternenkind, Trauer nach Fehlgeburt, Sarggrößen, Trauerbegleitung für Eltern und Kinder und Trauer.
Der passende Ratgeber dazu: Bestattungsarten bei bestattung.de
Praktisch statt enzyklopädisch — alle Bestattungsarten für die Entscheidung: bestattungsformen.de



