Warum Särge in Größen gebaut werden
Ein Sarg muss zum Verstorbenen passen — aus Pietät, aber auch aus praktischen Gründen: Er muss würdevoll und sicher aufgenommen, getragen und beigesetzt werden können, und er muss in die Graböffnung passen. Ein zu kleiner Sarg würde dem Körper Halt geben, aber bei der hygienischen Versorgung und beim Abschied stören; ein zu großer Sarg wirkt unpassend und kann die Kosten treiben. Deshalb fertigen Sargmanufakturen und Bestattungshäuser Särge in einem System aus Konfektionsgrößen, das an die Körpermaße der Verstorbenen angelehnt ist — ähnlich wie bei Bekleidung, nur mit anderen Maßstäben. Wie solche Särge entstehen und welche Formen es gibt, beschreiben die Beiträge zum Sargbau und zu den Sargmodellen.
Dabei gilt: Die angegebenen Maße sind Innenmaße. Für die Auswahl zählt, was im Sarg tatsächlich Platz hat — nicht das Außenmaß, das je nach Deckelkonstruktion und Holzaufbau um einige Zentimeter größer ausfällt. Bei der Erdbestattung muss außerdem die Graböffnung auf das Außenmaß abgestimmt werden; hier gelten je nach Friedhof eigene Vorgaben. Ob überhaupt ein Sarg verwendet werden muss, regeln die Bundesländer unterschiedlich — der Beitrag zur Sargpflicht in Deutschland erklärt die Regeln und Ausnahmen.
Die Konfektionsgrößen 1 bis 4
Im deutschen Bestattungswesen haben sich vier Konfektionsgrößen etabliert. Sie orientieren sich an der Körpergröße und der Schulterbreite des Verstorbenen:
| Konfektionsgröße | Innenlänge (ca.) | Schulterbreite (ca.) | passend für Körpergröße |
|---|---|---|---|
| Größe 1 | 185 cm | 60 cm | bis ca. 170 cm |
| Größe 2 | 195 cm | 65 cm | ca. 170 bis 190 cm |
| Größe 3 | 205 cm | 70 cm | über 190 cm bis ca. 200 cm |
| Größe 4 | über 205 cm (Überlänge) | 75 cm und mehr | sehr große und kräftige Verstorbene |
Die Werte sind Richtwerte der Hersteller und können je nach Modell leicht variieren. Größe 2 mit rund 195 cm Innenlänge und 65 cm Schulterbreite ist die verbreitetste Größe und deckt die meisten Erwachsenen ab; viele Bestattungshäuser halten sie ständig vorrätig. Für besonders groß gewachsene oder kräftige Verstorbene fertigen Manufakturen Überlängen von 210 oder 215 cm und Überbreiten bis zu 80 cm — diese Särge werden meist individuell angefertigt und fallen bei den Preisen spürbar höher aus. Welche Modelle es gibt und wie sie sich unterscheiden, zeigt der Artikel zum Sarg auswählen.
Wie die richtige Größe gefunden wird
Die Bestatterinnen und Bestatter messen den Verstorbenen bei der Übernahme und wählen die passende Konfektionsgröße. Grundlage sind Körpergröße, Schulterbreite und Umfang; bei abweichenden Proportionen — sehr schmale oder sehr breite Schultern, lange Beine, starke Ödeme — wird vom Standard abgewichen. Eine wichtige Rolle spielt auch die hygienische Versorgung: Wenn der Körper gewaschen, versorgt und in Kleidung gehüllt wird, braucht es etwas mehr Platz als bei der nackten Messung. Was diese Versorgung beinhaltet, beschreibt der Beitrag zur hygienischen Totenversorgung.
Für die Auswahl zählt zudem, wie der Abschied gestaltet werden soll. Bei einer offenen Aufbahrung ist ein korrekt bemessener Sarg wichtiger als bei einer geschlossenen. Auch die Grabkammer setzt Grenzen: In einem Tiefengrab mit Bestatterkammer oder in einem klassischen Erdgrab muss die Graböffnung auf das Sargmaß abgestimmt sein — sehr große Särge erfordern mitunter die Rücksprache mit der Friedhofsverwaltung. Was bei der Aufbahrung alles zu beachten ist, lesen Sie im Artikel zur Aufbahrung & Abschied.
Sonderfälle: Kinder, Überbreite und Sonderanfertigungen
Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Kindersärge, die nach Alter und Größe gestuft sind — von winzigen Särgen für Frühgeborene bis zu Jugendmaßen, die den Erwachsenengrößen nahekommen. Deren Auswahl und Gestaltung ist ein besonders sensibler Teil der Bestatterarbeit. Wie ein Kindergrab gestaltet wird und welche Gebühren gelten, beschreibt der Artikel zum Kindergrab; wie Kinder selbst trauern und begleitet werden, beschreibt der Beitrag zur Trauerbegleitung für Kinder.
Bei stark adipösen Verstorbenen oder besonderen Körperproportionen werden Särge als Sonderanfertigung gefertigt. Bestattungshäuser arbeiten dafür mit Manufakturen zusammen, die Maßsärge in wenigen Tagen liefern. Die Kosten steigen mit dem Material- und Arbeitsaufwand — übergroße Särge können je nach Ausstattung deutlich teurer werden als Konfektionssärge. Was ein Sarg überhaupt kostet und wie die Preise zustande kommen, zeigt der Artikel zu den Bestattungskosten.
Sarggrößen bei der Feuerbestattung
Bei der Feuerbestattung gelten besondere Maßvorgaben: Der Sarg muss in die Kremationskammer des Krematoriums passen. Die Kammern sind auf die gängigen Konfektionsgrößen ausgelegt, sodass die Größen 1 bis 3 problemlos eingeäschert werden können; bei Überlängen und Überbreiten muss das Krematorium vorab informieren, denn nicht jede Anlage nimmt übergroße Särge auf. In solchen Fällen berät das Bestattungshaus über Alternativen — etwa besondere Modelle oder die Rücksprache mit einem anderen Krematorium. Wie die Einäscherung abläuft und welche Schritte dazugehören, beschreibt der Artikel zum Einäscherungs-Ablauf.
Für die Feuerbestattung werden oft schlichtere Särge gewählt, da sie nicht beerdigt, sondern verbrannt werden. Auch hier gelten die Maßsysteme der Hersteller — die Größe muss auch dann passen, wenn der Sarg nur kurze Zeit in Gebrauch ist. Welche Modelle sich für die Feuerbestattung eignen, lesen Sie im Beitrag zur Feuerbestattung.
Kosten und Vorsorge
Sarggrößen wirken sich auf den Preis aus: Konfektionssärge der Größen 1 bis 3 bewegen sich in ähnlichen Preisregionen, während Überlängen, Überbreiten und Sonderanfertigungen aufwendiger sind. Die Gesamtkosten einer Bestattung liegen im Mittel bei rund 6.208 Euro (Athena-Studie 2024); der Median liegt für die Erdbestattung bei etwa 6.200 Euro, für die Feuerbestattung bei etwa 3.800 Euro — weil hier kein aufwendiges Grab und oft ein einfacherer Sarg entfällt. Die Feuerbestattung ist damit die günstigere Variante, wenn ein Sarg ohnehin verbrannt wird; ob und in welcher Form ein Sarg bei der Einäscherung vorgeschrieben ist, erklärt der Beitrag zum Einäscherungs-Ablauf.
Wer vorsorgt, kann die eigene Sargwahl in einer Bestattungsverfügung festlegen — inklusive der Größenangabe, wenn gewünscht. Viele Bestattungshäuser dokumentieren Wünsche zu Modell, Holz und Ausstattung, sodass die Angehörigen später nicht raten müssen. Wie solche Verfügungen aufgebaut sind, beschreibt der Artikel zur Bestattungsverfügung.
Tipps für das Gespräch im Bestattungshaus
Größenfragen klären sich am einfachsten im persönlichen Gespräch. Folgende Punkte helfen, die passende Entscheidung zu treffen:
- Körpermaße nennen: Geben Sie Körpergröße, Gewicht und Statur des Verstorbenen an — daraus leitet das Bestattungshaus die Konfektionsgröße ab.
- Modell und Budget verbinden: Sprechen Sie offen über das Budget; die Größe schränkt die Modellauswahl kaum ein, Sonderanfertigungen kosten aber mehr.
- Aufbahrung bedenken: Bei geplanter offener Aufbahrung sollte der Sarg bequem passen und ästhetisch wirken — das Bestattungshaus berät dazu.
- Grabverhältnisse klären: Bei sehr großen Särgen sollte die Friedhofsverwaltung frühzeitig einbezogen werden, damit die Grabstelle passend angelegt wird.
Mit diesen Angaben finden die meisten Bestattungshäuser innerhalb kurzer Zeit den passenden Sarg. Wie die Auswahl zwischen den vielen Modellen gelingt, beschreibt der Artikel zum Sarg auswählen.
Der passende Ratgeber dazu: die Formen-Übersicht von bestattung.de
Welche Form zu Ihnen passt — der Vergleich aller Bestattungsarten: der Formen-Showroom auf bestattungsformen.de



