Eintrag 045 · Bestattungsarten

Resomation — die Wasserbestattung als Alternative zur Einäscherung

Resomation, auch alkalische Hydrolyse oder Wasserbestattung genannt, zerlegt den Körper in heißer Lauge zu steriler Flüssigkeit und Knochenasche. Der Artikel erklärt das Verfahren, seine Umweltbilanz, die Kosten und warum es in Deutschland bislang nicht zulässig ist.

Was ist Resomation?

Resomation – abgeleitet vom griechischen soma für Körper und dem lateinischen resomare für sanftes Verwesen – ist ein Bestattungsverfahren, das den Körper mit heißem Wasser und Kaliumhydroxid zersetzt. Die Fachbezeichnung lautet alkalische Hydrolyse; im Englischen ist auch von water cremation die Rede. Am Ende bleiben eine sterile Flüssigkeit aus Aminosäuren, Peptiden, Salzen und Wasser sowie die mineralischen Knochenreste zurück, die wie Feuerbestattungsasche aufbereitet werden können.

Das Verfahren verspricht eine sanftere und umweltfreundlichere Alternative zur Kremation: kein Verbrennungsprozess, kaum Quecksilber-Emissionen aus Zahnfüllungen, deutlich geringerer Energieverbrauch. In den USA, Kanada, Großbritannien und Südafrika ist Resomation bereits legal und praktiziert; in Deutschland ist es bislang nicht zugelassen. Ein Vergleich der klassischen Formen bietet der Artikel zur Feuerbestattung und zur Erdbestattung.

GUT ZU WISSEN: Die alkalische Hydrolyse ist kein neues Laborverfahren: Sie wird seit Jahrzehnten zur umweltgerechten Entsorgung von Tierkörpern in Veterinärmedizin und Tierkörperbeseitigung eingesetzt. Bei der Übertragung auf menschliche Verstorbene gehen technisches Prinzip und Anlagenbau auseinander – deshalb prüfen die Bestattungsgesetze das Verfahren separat.

Das Verfahren: wie alkalische Hydrolyse funktioniert

Der Ablauf einer Resomation folgt einem klaren chemischen Prinzip und dauert je nach Temperaturführung einige Stunden:

  1. Einbringung: Der Verstorbene wird in einem Sarg aus organischem Material in die Druckkammer überführt – ein wassergefüllter Edelstahlbehälter, ähnlich einem Krematoriumsofen.
  2. Wasser und Lauge: Die Kammer wird mit einer Lösung aus etwa 95-prozentigem Wasser und 5 Prozent Kaliumhydroxid gefüllt.
  3. Erhitzen: Bei etwa 150 bis 160 Grad Celsius und erhöhtem Druck beschleunigt die Lauge die natürliche Hydrolyse – Eiweiße, Fette und Zellen lösen sich innerhalb von drei bis vier Stunden auf.
  4. Ergebnis: Zurück bleiben die mineralischen Knochenfragmente und eine sterile, bräunliche Flüssigkeit mit einem pH-Wert um 11, die hauptsächlich Aminosäuren, Peptide, Salze und Wasser enthält.
  5. Aufbereitung: Die Knochenreste werden getrocknet, zerkleinert und wie Kremationsasche in eine Urne gefüllt – sie sind chemisch kaum von Feuerbestattungsasche zu unterscheiden.
  6. Flüssigkeit: Die Prozessflüssigkeit wird nach Neutralisation in kommunale Kläranlagen eingeleitet; dort wird sie wie organisches Abwasser biologisch abgebaut.

Wie die klassische Einäscherung abläuft, beschreibt der Artikel zum Krematorium-Ablauf; Details zur Asche der Artikel zur Kremationsasche.

Die Umweltbilanz: Resomation versus Krematorium

Der Hauptvorteil der Resomation liegt im Energieverbrauch und in den Emissionen. Ein Krematorium benötigt für eine Einäscherung Energieäquivalente von etwa 20 bis 40 Kilowattstunden – vor allem Erdgas – und stößt dabei Kohlendioxid aus; Quecksilber aus Amalgamfüllungen muss teuer gefiltert werden, wie der Artikel zur Krematorium-Technik beschreibt. Die alkalische Hydrolyse arbeitet dagegen:

  • mit etwa einem Zehntel des Energiebedarfs einer Kremation (Herstellerangaben),
  • ohne Verbrennungsluft und damit ohne CO2 aus der Verbrennung,
  • ohne Quecksilber-Emissionen, da Amalgam chemisch gebunden wird,
  • ohne Feinstaub und ohne sichtbare Abgase.

Kritiker weisen darauf hin, dass auch Resomation Wasser und Chemikalien verbraucht und die Einleitung der Prozessflüssigkeit in Kläranlagen ökologisch begleitet werden muss. Die Gesamtbilanz bleibt aber nach allen vorliegenden Untersuchungen deutlich besser als die der Feuerbestattung – Werte, die auch Bestatter in Ländern mit legaler Hydrolyse bestätigen (Branchenangaben).

KriteriumResomationFeuerbestattung
Dauer3 bis 4 Stunden1,5 bis 2,5 Stunden
Temperaturrund 150 bis 160 Grad800 bis 1.100 Grad
CO2-Ausstoßpraktisch keinerrund 160 bis 250 kg je Kremation
Quecksilber-Risikokein relevantesFilterpflicht für Amalgam

Geschichte: von der Tiermedizin zur Bestattung

Die alkalische Hydrolyse wurde Ende der 1990er Jahre in den USA für die Tierkörperbeseitigung entwickelt und dort rasch zum Standard in Veterinärlabors und Tierkrematorien. Pionier der Anwendung auf Menschen wurde der schottische Biochemiker Sandy Sullivan, der das Verfahren unter dem Markennamen Resomation ab 2007 in Großbritannien bekannt machte. Die erste legale Anwendung auf Menschen erfolgte in den USA – Minnesota erlaubte die Hydrolyse 2003 als ersten Bundesstaat, Kanada folgte 2005. In Großbritannien wurde das Verfahren 2020er-Jahren reguliert und wird seither in mehreren Anlagen angeboten.

In den USA ist die Hydrolyse heute in rund 20 Bundesstaaten zugelassen, ebenso in Kanada, Südafrika und Australien (Stand ca. 2024). Die Nachfrage wächst, weil sie die Wünsche vieler Menschen nach einer umweltschonenden Bestattung bedient – ähnliche Motive treiben in Deutschland die Diskussion um alternative Verfahren, wie sie der Artikel zu den Alternativen zur Diamantbestattung und zur alternativen Grabformen beschreibt.

Rechtslage in Deutschland: nicht zulässig

In Deutschland ist Resomation bislang nicht als Bestattungsverfahren zugelassen. Die Gründe liegen in der Struktur des deutschen Bestattungsrechts:

  • Friedhofszwang und Sargpflicht: Die Landesbestattungsgesetze schreiben vor, dass Verstorbene auf Friedhöfen bestattet werden; die Sargpflicht und die Formen der Beisetzung sind eng geregelt – Details beschreibt der Artikel zum Bestattungsrecht in den Bundesländern.
  • Aschenauflösungs-Verbot: Der Leichnam darf nach deutschem Verständnis nicht durch chemische Prozesse aufgelöst werden, die über das Maß der natürlichen Verwesung hinausgehen – ein Argument, das auch gegen die Hydrolyse vorgebracht wird, weil die Körperflüssigkeit in die Kanalisation gelangt.
  • Bestattungsgesetze nennen als zulässige Formen in aller Regel nur Erdbestattung und Feuerbestattung; hygienische und ethische Bewertungen des neuen Verfahrens sind bislang nicht abschließend getroffen.

Ob sich das ändert, ist offen: Einzelne Bundesländer diskutieren Reformen des Bestattungsrechts, auch wegen sinkender Friedhofsflächen und der Nachfrage nach Alternativen. Wer sich bis dahin umweltbewusst bestatten lassen will, findet legale Alternativen in der Baumbestattung, beim Erdwärmegrab oder in anonymen Rasengrabfeldern (Artikel zur anonymen Bestattung).

Kosten einer Resomation im Ausland

Verlässliche Zahlen gibt es bislang vor allem aus den USA und Großbritannien. Dort liegt der Preis einer Resomation nach Branchenangaben etwa auf dem Niveau einer herkömmlichen Kremation oder leicht darunter:

PositionSpanne (Euro, umgerechnet)Typisch
Resomation (Verfahren)300–900500
Urne und Aufbereitung100–400200
Beisetzung (Urnenwahlgrab)500–1.500800

Für deutsche Familien, die eine Beisetzung im Ausland erwägen, kommen Überführungs- und Verwaltungskosten hinzu – Grundlagen dazu bietet der Artikel zur Bestattung im Ausland. Zum Vergleich: Eine Feuerbestattung kostet in Deutschland im Median rund 3.800 Euro gesamt (Athena-Studie 2024), eine Übersicht bietet der Artikel zu den Bestattungskosten.

Statistik, Zahlen und Wissenswertes

  • Rund 20 US-Bundesstaaten haben die alkalische Hydrolyse für Menschen zugelassen (Stand ca. 2024), darunter Minnesota als erstes 2003.
  • Große Anlagen betreibt Südafrika; in Großbritannien wurden die ersten Hydrolyse-Bestattungen in den 2020er Jahren reguliert.
  • Die Prozessflüssigkeit besteht zu über 95 Prozent aus Wasser, ist steril und wird nach Neutralisation wie organisches Abwasser gereinigt.
  • Die Knochenasche einer Hydrolyse ist von der einer Feuerbestattung im Ergebnis kaum zu unterscheiden – sie kann wie herkömmliche Asche bestattet, beigesetzt oder in einer Diamantbestattung weiterverarbeitet werden.
  • Die katholische Kirche hat die Hydrolyse 2022 als unvereinbar mit dem christlichen Bestattungsverständnis bewertet; weltanschauliche Verbände und Umweltschutzorganisationen bewerten sie überwiegend positiv.
  • Eine Hydrolyse-Anlage kostet nach Branchenschätzung 300.000 bis 500.000 Euro – mehr als ein Krematoriumsofen, was die Verbreitung bremst.

Resomation bleibt damit in Deutschland ein Thema der Zukunft: technisch ausgereift, ökologisch überzeugend, rechtlich noch nicht zugelassen. Wer vorsorgen will, sollte seine Wünsche schriftlich festhalten – wie das geht, beschreibt der Artikel zur Bestattungsverfügung.

Der passende Ratgeber dazu: Bestattungsarten bei bestattung.de

Praktisch statt enzyklopädisch — alle Bestattungsarten für die Entscheidung: bestattungsformen.de

Häufige Fragen

Nein. Die alkalische Hydrolyse ist in Deutschland bislang nicht als Bestattungsverfahren zugelassen. Die Landesbestattungsgesetze sehen nur Erdbestattung und Feuerbestattung als reguläre Formen vor; darüber hinaus verhindern Friedhofszwang und das Verbot der Auflösung des Leichnams die Anwendung. Legal ist Resomation dagegen in rund 20 US-Bundesstaaten, Kanada, Großbritannien und Südafrika. Die rechtlichen Grundlagen beschreibt der Artikel zum Bestattungsgesetz.

Nein. Nach Abschluss des Prozesses ist die Flüssigkeit steril und besteht hauptsächlich aus Wasser, Aminosäuren, Peptiden und Salzen. Ihr pH-Wert von etwa 11 wird vor der Ableitung neutralisiert; anschließend wird sie in kommunale Kläranlagen eingeleitet und dort biologisch abgebaut. Kritiker bemängeln die symbolische Dimension, dass Körperflüssigkeit ins Abwasser gelangt – gesundheitlich unbedenklich ist das Verfahren nach allen bislang vorliegenden Untersuchungen.

Nach Hersteller- und Branchenangaben verbraucht die Hydrolyse etwa ein Zehntel der Energie einer Kremation, stößt kein CO2 aus der Verbrennung aus und erzeugt keine Quecksilber-Emissionen aus Zahnfüllungen. Damit ist sie eine der umweltschonendsten Bestattungsformen überhaupt. Wie die klassische Kremation ihre Emissionen filtert und wie viel Energie sie braucht, beschreibt der Artikel zur Krematorium-Technik.

Die mineralischen Knochenreste werden getrocknet, zerkleinert und in einer Urne beigesetzt – chemisch und im Aussehen kaum von Feuerbestattungsasche zu unterscheiden. Die Bestattung erfolgt in den Ländern mit legaler Hydrolyse wie bei einer Kremation: als Urnengrab, in einem Kolumbarium oder bei einer Seebestattung (Artikel zur Seebestattung). Die Eigenschaften der Asche beschreibt der Artikel zur Kremationsasche.

Weil Wasser das zentrale Arbeitsmittel ist: In der Druckkammer löst eine heiße Kaliumhydroxid-Lösung den Körper auf, ähnlich einem beschleunigten natürlichen Verwesungsprozess. Im englischen Sprachraum sind deshalb Begriffe wie water cremation oder aquamation üblich. Der Name Resomation spielt auf das sanfte Auflösen an – anders als bei der Feuerbestattung gibt es keinen Verbrennungsvorgang.

Das ist offen. Einige Bundesländer diskutieren Reformen der Bestattungsgesetze, auch wegen sinkender Friedhofsflächen und der Nachfrage nach umweltfreundlichen Verfahren. Hürden sind das Verbot der Körperauflösung, die Sargpflicht und die ethische Bewertung durch die zuständigen Ministerien. Wer das Verfahren wünscht, kann seine Präferenz in einer Bestattungsverfügung festhalten – eine rechtliche Bindung hat das in Deutschland bis zur Zulassung aber nicht.

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