Was ist die Erbauseinandersetzung?

Hinterlässt ein Erblasser mehrere Erben — etwa die Kinder als Erbengemeinschaft — entsteht automatisch eine Zwangsgemeinschaft: Der Nachlass gehört allen zusammen, niemand kann allein über einzelne Gegenstände verfügen. Die Erbauseinandersetzung beendet dieses Gemeinschaftsverhältnis und verteilt das Vermögen endgültig auf die Köpfe. Sie ist der letzte Abschnitt eines jeden Erbfalls mit mehreren Beteiligten — und häufig der konfliktreichste.

Jeder Miterbe kann die Teilung verlangen

Grundsätzlich kann jeder Miterbe zu jedem Zeitpunkt die Auseinandersetzung verlangen (§ 2042 BGB). Ausnahmen: Der Erblasser kann die Teilung durch Anordnung in einem Testament ausschließen oder für eine bestimmte Zeit aufschieben — etwa um den überlebenden Partner im Berliner Testament zu schützen. Auch ein Testamentsvollstrecker kann die Auseinandersetzung regeln; ob eine Testamentsvollstreckung angeordnet wurde, ergibt sich aus der Testamentseröffnung.

Schritt für Schritt zur Teilung

  • Bestandsaufnahme: Zunächst wird der Nachlass vollständig erfasst und bewertet — idealerweise in einem Nachlassverzeichnis.
  • Schulden tilgen: Nachlassverbindlichkeiten werden vor der Teilung berichtigt; reicht der Nachlass nicht, haften die Erben anteilig (§ 2046 BGB).
  • Teilungsplan: Die Erben einigen sich darauf, welcher Gegenstand an wen fällt. Abfindungen gleichen ungleiche Werte aus.
  • Umsetzung: Grundstücke werden aufgeteilt oder verkauft, Konten aufgelöst, Gegenstände übergeben.

Was geschieht bei Streit?

Einigt sich die Gemeinschaft nicht, kann jeder Miterbe den Verkauf einzelner Nachlassgegenstände verlangen; der Verkauf eines Grundstücks bedarf der notariellen Beurkundung. Bei Grundstücken bleibt als letzte Option die sogenannte Teilungsversteigerung: Ein Gericht verwertet das Objekt und verteilt den Erlös. Viele Familien ziehen heute eine ErbMediation vor — ein neutraler Vermittler hilft, den Streit außergerichtlich zu lösen. Das spart Kosten, Zeit und oft die Familienbeziehung. Bei erheblichen Mängeln oder Ungleichgewichten im Nachlass (etwa Schenkungen des Erblassers zu Lebzeiten) hilft die Basler Tabelle bei der Wertung, während überschuldete Nachlässe über die Haftung der Erben geregelt werden.

Form und Kosten

Die Auseinandersetzung ist grundsätzlich formfrei — die Übertragung von Grundstücken ist dagegen notariell zu beurkunden. Grundstücksübertragungen zwischen Miterben sind von der Grunderwerbsteuer befreit, wenn der Übernehmer bereits Miterbe war. Die Kosten der Auseinandersetzung (Notar, ggf. Gericht, Gutachter) trägt der Nachlass.