Was ist die Eisbestattung?
Die Eisbestattung — auch Promession genannt, wenn sie mit Flüssigstickstoff arbeitet — ist eine alternative Bestattungsform, bei der der Körper des Verstorbenen nicht verbrannt, sondern eingefroren und zerkleinert wird. Das Verfahren wurde von der schwedischen Biologin Susanne Wiigh-Mäsak entwickelt: Der Körper wird in flüssigem Stickstoff auf etwa minus 196 Grad Celsius abgekühlt, dadurch spröde und anschließend durch Vibration zu einem feinen Pulver zerkleinert. In einem Trocknungsverfahren wird dem Pulver die Feuchtigkeit entzogen; zurück bleibt ein trockenes, organische Substanz enthaltendes Granulat, das in einer biologisch abbaubaren Urne beigesetzt werden kann.
Die Idee dahinter ist ökologisch: keine Verbrennungsemissionen wie Quecksilber aus Amalgamfüllungen oder Dioxine, kein Heizenergieverbrauch, und die Beisetzung kann als echte Erdbestattung in einem Friedwald oder auf einem Friedhof erfolgen, weil das Granulat vollständig biologisch abbaubar ist.
Ablauf des Verfahrens
Die Eisbestattung läuft in klar definierten Schritten ab:
- Vorbereitung: Der Verstorbene wird in eine spezielle Kammer überführt, die Bestattung findet in einem zugelassenen Verfahren statt.
- Tiefkühlung: In der Kammer wird der Körper mit flüssigem Stickstoff auf etwa minus 196 Grad abgekühlt.
- Zerkleinerung: Durch mechanische Vibration zerfällt der gefrorene Körper in ein feines Granulat.
- Trocknung: In einem Vakuumverfahren wird dem Granulat die Feuchtigkeit entzogen; es bleibt etwa ein Viertel des ursprünglichen Gewichts.
- Reinigung: Metallteile wie Implantate oder Schrittmacher werden aussortiert und können recycelt werden.
- Beisetzung: Das Granulat kommt in eine biologisch abbaubare Urne aus Maisstärke oder Torf und wird wie eine klassische Urne beigesetzt.
Die Verweildauer des Granulats im Boden ist kürzer als bei einer klassischen Erdbestattung — das Verfahren will bewusst in den Naturkreislauf zurückführen.
Kosten und Verfügbarkeit
Die Eisbestattung ist derzeit nirgendwo als reguläre Bestattungsform etabliert; Preisschätzungen bewegen sich, bezogen auf skandinavische Modellrechnungen, im Bereich der Feuerbestattung. Für den Vergleich die einschlägigen Verfahren:
| Verfahren | Prinzip | Kosten (typisch) |
|---|---|---|
| Feuerbestattung | Verbrennung bei über 850 Grad | 1.400 bis 4.000 Euro |
| Promession (Eisbestattung) | Tiefkühlung und Zerkleinerung | nicht verfügbar |
| Promession-Variante Lyophilisation | Gefriertrocknung | nicht verfügbar |
Der Vergleich zeigt: Bis eine tatsächliche Preisstruktur existiert, bleibt die Eisbestattung ein Zukunftsmodell, das vor allem die Diskussion um nachhaltige Bestattungsformen befeuert.
Technische Details
Die Kerntechnik der Promession beruht auf der physikalischen Eigenschaft tiefgefrorener organischer Substanz: Sie verliert ihre Elastizität und wird bei starken Vibrationen spröde wie Glas. Die Zerkleinerung geschieht in einer abgeschlossenen Kammer, das Granulat wird gesiebt, um Metallimplantate zu trennen. Die anschließende Trocknung im Vakuum senkt den Wassergehalt auf wenige Prozent — der entscheidende Schritt, damit das Granulat im Boden mikrobiell abgebaut werden kann, statt zu verwesen. Eine technische Alternative ist die Lyophilisation (Gefriertrocknung), bei der der Körper langsam gefroren und das Eis direkt sublimiert wird; dieses Verfahren wird in Südkorea diskutiert. Beide Varianten teilen das ökologische Ziel: die Beisetzung soll ohne Verbrennungsemissionen und mit geringem Platzbedarf möglich sein.
Rechtslage in Deutschland und Europa
In Deutschland ist die Eisbestattung bislang nicht zugelassen. Das Bestattungsrecht der Länder verlangt für die Kremation einen ordnungsgemäßen Ablauf in einem zugelassenen Krematorium; die Bestattungspflicht verlangt eine Beisetzung des Körpers oder der Asche auf einem Friedhof oder in einer der erlaubten Alternativen (etwa Seebestattung). Für die Promession existiert keine Zulassung, weil kein Krematoriumsbetrieb das Verfahren anbietet. In Schweden, dem Ursprungsland, gab es eine Testphase: Die Kirche von Schweden prüfte das Verfahren, es wurde jedoch nicht regulär eingeführt. In Südkorea wurde die Gefriertrocknung als Beoksumyyo diskutiert; auch dort ist die rechtliche Zulassung bislang nicht erfolgt. Die rechtliche Hürde in Deutschland ist doppelt: Es braucht eine verfahrensrechtliche Zulassung (ein bestattungsfähiges Verfahren) und eine betriebsrechtliche Genehmigung für die Anlage. Beides hängt am Nachweis der hygienischen Unbedenklichkeit und der Wahrung der Menschenwürde.
Umweltbilanz im Vergleich
Die Feuerbestattung steht wegen ihrer Emissionen in der Kritik: Ein Kremationsvorgang verbraucht etwa 28 Kilowattstunden Energie und setzt neben CO₂ auch Quecksilber aus Zahnfüllungen frei — der Grund, warum moderne Krematorien mit Filteranlagen und Quecksilberabscheidung nachgerüstet werden mussten. Die Promession dagegen arbeitet ohne Verbrennung, braucht aber Energie für die Stickstoffkühlung. Eine belastbare Ökobilanz existiert nicht, weil keine Serienanlage läuft; die theoretische Debatte vergleicht:
- Energieverbrauch: Kühlung mit flüssigem Stickstoff ist energieintensiv, entfällt aber die Öfen-Hitze.
- Emissionen: keine Verbrennungsprodukte, kein Quecksilber.
- Flächenbedarf: Urnengrab oder Friedwald, deutlich geringer als ein Erdgrab.
Die Frage, ob die Eisbestattung ökologisch besser abschneidet als eine moderne, gefilterte Feuerbestattung, kann erst beantwortet werden, wenn Anlagen im Betrieb gemessen werden.
Statistik, Fakten und Ausblick
- Die Feuerbestattungsquote in Deutschland liegt bei etwa 70 Prozent (Bundesverband Deutscher Bestatter, 2023) — der Bedarf für Alternativen ist da.
- Die Technik der Promession wurde um 2001 patentiert; mehrere Anläufe für Pilotanlagen in Schweden und Großbritannien scheiterten an Kosten und Zulassung.
- In Südkorea, wo die Feuerbestattungsquote über 90 Prozent liegt, wird die Gefriertrocknung als beauty burial diskutiert.
Die Zukunft der Eisbestattung hängt an zwei Fragen: der rechtlichen Zulassung in mindestens einem europäischen Land und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Anlagen. Solange beide offen sind, bleibt sie ein Denkmodell für die Bestattungskultur der nächsten Jahrzehnte — und ein Beispiel dafür, wie alt die Sehnsucht nach einer Rückkehr in den Naturkreislauf ist, auch wenn ihre technische Umsetzung jung bleibt.
Vorteile und offene Fragen
Potentiale
- Keine Verbrennungsemissionen wie Quecksilber oder Dioxine
- Biologisch abbaubares Granulat für echte Erdbestattung
- Trennung und Recycling von Metallimplantaten
Offene Fragen
- Keine Zulassung in Deutschland; rechtlicher Weg unklar
- Kein Betriebsergebnis, keine belastbare Ökobilanz
- Akzeptanz bei Angehörigen und Bestattern ungeklärt
GUT ZU WISSEN
Der passende Ratgeber dazu: Bestattungsarten bei bestattung.de
Praktisch statt enzyklopädisch — alle Bestattungsarten für die Entscheidung: bestattungsformen.de



