Was ist eine Aussegnung?
Die Aussegnung ist der feierliche Segen, mit dem kirchliche Bestattungen den Verstorbenen aus der Gemeinschaft der Lebenden entlassen. Der Begriff stammt aus der alten Tradition der Verabschiedung: „Hinaussegnen“ meint das Geleit des Verstorbenen aus dem Haus und in die ewige Gemeinschaft Gottes. In vielen Dörfern, besonders in Süddeutschland, lebt die Tradition fort, dass der Geistliche den Verstorbenen im Wohnhaus aussegnet, bevor er zur Kirche oder zum Friedhof überführt wird.
Heute ist die Aussegnung meist der erste Abschnitt der kirchlichen Bestattung: Sie eröffnet die Trauerfeier am Sarg oder an der Urne in der Kirche, der Friedhofskapelle oder der Trauerhalle. Psalmgebet, Kyrieruf und Oration sammeln die Gemeinde, bevor Prozession oder Gottesdienst folgen. Damit ist sie das Gegenstück zum Trauerauszug, der die Trauerfeier am Ende beschließt — beide Elemente rahmen die Feier wie einen Weg.
Der Ablauf der Aussegnung
Die klassische kirchliche Begräbnisfeier kennt drei Stationen: die Aussegnung am Ausgangspunkt, den Gottesdienst in der Kirche und die Beisetzung am Grab. Die Aussegnung bildet dabei die Eröffnung:
- Sammeln der Gemeinde: Die Trauergemeinde versammelt sich am Sarg oder an der Urne — im Trauerhaus, an der Kapellentür oder in der Trauerhalle.
- Psalmgebet: Ein Psalm — häufig Psalm 130 „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ — stimmt auf Klage und Hoffnung ein.
- Kyrieruf und Oration: Das gemeinsame Gebet und das kurze Abschlussgebet fassen den Sinn der Feier zusammen.
- Weihwasser und Kreuzzeichen: Der Geistliche segnet den Verstorbenen mit Weihwasser und dem Kreuzeszeichen.
- Prozession: Die Gemeinde folgt dem Sarg in die Kirche oder zum Grab — begleitet vom Trauermarsch oder dem Geläut der Glocken.
Findet kein Gottesdienst in der Kirche statt, etwa weil der Friedhof zu weit entfernt liegt, wird die Aussegnung zum selbstständigen Wortgottesdienst am Sarg erweitert. Der komplette Ablauf einer Trauerfeier von der Aussegnung bis zur Beisetzung ist im Beitrag zum Ablauf der Trauerfeier beschrieben.
Aussegnung im Trauerhaus: die alte Tradition
Historisch war die Aussegnung ein Hausgottesdienst: Der Verstorbene lag im eigenen Zuhause aufgebahrt, und die Familie versammelte sich um ihn zum Gebet, bevor der Sarg hinausgetragen wurde. Nach der alten Tradition nahm die Gemeinde am Sterbebett oder am aufgebahrten Sarg Abschied. In vielen Dörfern gibt es diese Form der Aussegnung im Wohnhaus noch heute — die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg etwa weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tradition der Aussegnung im Wohnhaus in ländlichen Gemeinden lebendig geblieben ist.
Stirbt ein Mensch im Krankenhaus oder Pflegeheim, kann die Aussegnung im Abschiedsraum der Einrichtung stattfinden; die Kombination mit einer kurzen Aufbahrung gibt der Familie Zeit. In Städten hat sich die Aussegnung dagegen weitgehend in die Friedhofskapelle verlagert.
Katholisch und evangelisch: Unterschiede der Aussegnung
| Element | Katholische Feier | Evangelische Feier |
|---|---|---|
| Bezeichnung | Aussegnung als Teil der Exequien | Aussegnung als Eröffnung der Trauerfeier |
| Weihwasser | fester Bestandteil | kann entfallen oder ersetzt werden |
| Weihrauch | üblich bei der Grabliturgie | unüblich |
| Fürbitte für den Verstorbenen | zentral | nicht vorgesehen |
| Psalm | Psalm 130 oder 31 | Psalm 90 oder individueller Psalmwunsch |
Die theologischen Hintergründe der beiden Konfessionen beschreiben die Beiträge zur katholischen Bestattung und zur evangelischen Bestattung; die katholische Begräbnisliturgie mit ihren Stationen ist auch unter dem Begriff Exequien bekannt. In ökumenischen Trauerfeiern gestalten Geistliche beider Konfessionen die Aussegnung gemeinsam.
Worte und Texte der Aussegnung
Die Texte der Aussegnung stammen überwiegend aus den Psalmen und dem liturgischen Erbgut der Kirche. Der wohl häufigste Psalm ist Psalm 130: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir … bei dir ist die Vergebung“. Er verbindet Klage und Vertrauen — die Grundstimmung jeder Aussegnung. Das Schriftwort bei der Einsenkung in das Grab („Wir übergeben den Leib der Erde“) gehört dagegen zur Grabliturgie. Formulierungshilfen für Familien und Laien bieten die Beiträge zu den Trauergebeten und den Trauergedichten.
Musikalisch rahmen Orgel und Gemeindegesang die Aussegnung; die Auswahl der Lieder beschreibt der Beitrag zur Trauermusik. Wer die Feier nicht kirchlich, aber mit feierlichem Rahmen gestalten möchte, findet mit einer weltlichen Zeremonie eine Alternative — der Beitrag zur weltlichen Bestattung zeigt die Möglichkeiten, und wer selbst sprechen will, findet im Artikel zum Halten einer Trauerrede Anleitungen.
Was die Aussegnung für Trauernde bedeutet
Für die Hinterbliebenen ist die Aussegnung oft der Moment, in dem der Abschied Wirklichkeit wird: Der gesprochene Segen, das Weihwasser und das Geleit geben der Trauer eine Form, die Trost spenden kann. Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter beschreiben das Ritual als Schwelle: Es markiert den Übergang vom Tod zum Abschied und hilft, das Unbegreifliche in Handlungen zu fassen. Die psychologische Dimension solcher Rituale beleuchtet der Beitrag zur Trauerarbeit; Hilfen im akuten Trauerfall versammelt der Artikel zu den Trauerphasen.
Zugleich ist die Aussegnung ein öffentlicher Akt: Die Gemeinde bezeugt, dass ein Mensch gelebt hat und dass sein Tod nicht vergessen wird. Deshalb laden Familien in der Traueranzeige oder im Pfarrbrief zur Feier ein; die Teilnahme der Gemeinschaft, etwa auch durch eine Trauerfloristik aus Kränzen und Gestecken, unterstreicht die Verbundenheit.
Praktische Fragen rund um die Aussegnung
Wer hält die Aussegnung? In der Regel der Geistliche der Gemeinde — katholisch der Pfarrer oder Diakon, evangelisch die Pfarrerin oder der Pfarrer; die Zusammenarbeit mit dem Bestatter beschreibt der Beitrag zum Pfarrer bei der Beerdigung. Was kostet die Aussegnung? Die pfarramtliche Gebühr für die gesamte Trauerfeier liegt meist zwischen 150 und 350 Euro; die Aussegnung selbst wird nicht gesondert berechnet. Sie ist Teil der Bestattungskosten, die laut Athena-Studie 2024 im Schnitt rund 6.208 Euro betragen.
Kann die Aussegnung auch ohne Kirche stattfinden? Ja. Die Tradition des Abschieds am Sarg ist älter als jede feste Liturgie; auch weltliche Trauerfeiern eröffnen mit einem stillen Moment, einem Spruch oder einem Lied am Sarg. Anregungen für den Aufbau einer Feier ohne konfessionellen Rahmen bietet der Beitrag zur Bestattungszeremonie.
Siehe auch
Weitere Beiträge zum Ablauf: Der Trauerauszug, Ablauf der Trauerfeier, Die Leichenpredigt, Der Pfarrer bei der Beerdigung, Trauerglocken und Sterbegeläut und Der Trauermarsch.
Der passende Ratgeber dazu: den Todesfall-Ratgeber
Formalitäten praktisch abarbeiten statt nachschlagen: die Checkliste auf bestattungsinfo24.de



