Wenn der Tod nicht natürlich erscheint

Der allererste Schritt nach jedem Todesfall ist die Leichenschau: Ein Arzt stellt den Tod fest und bescheinigt ihn. In den meisten Fällen bescheinigt er auch einen natürlichen Tod — und die Angehörigen können sich der Bestattung widmen. Bestehen aber Hinweise auf einen nicht natürlichen Tod — Unfall, Suizid, Fremdverschulden oder ungeklärte Ursachen —, beginnt eine Todesermittlung: Behörden klären die Todesumstände, bevor die Bestattung freigegeben wird.

Wer entscheidet über den Verdacht?

Der Arzt der ersten Leichenschau muss bei jedem nicht natürlichen oder nicht geklärten Tod unverzüglich die Polizei oder Ordnungsbehörde informieren — die Polizei informiert die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen führt (§ 159 StPO). Es folgt in der Regel eine zweite, gerichtliche Leichenschau durch einen Amtsarzt oder Rechtsmediziner, die der Artikel zur zweiten Leichenschau ausführlich beschreibt.

Der Ablauf der Todesermittlung

  • Sicherstellung: Der Verstorbene wird in ein Rechtsmedizinisches Institut oder eine Gerichtsleichenhalle überführt; die Überführung übernimmt die zuständige Behörde, nicht der Bestatter.
  • Obduktion: Bei weiter unklarer Todesursache ordnet die Staatsanwaltschaft eine rechtliche Leichenöffnung an — Details im Artikel zur Obduktion.
  • Ermittlungen: Befragungen, Spurensicherung, Gutachten — die Staatsanwaltschaft sucht nach der Todesursache und eventuellen Verantwortlichen.
  • Freigabe: Sind die Fragen beantwortet, gibt die Behörde den Verstorbenen zur Bestattung frei — erst dann beginnen die Fristen der Bestattungsfristen.

Was das für Angehörige bedeutet

Die Ermittlungen dauern meist wenige Tage, in komplexen Fällen auch Wochen — die Zeit des Wartens ist für Angehörige oft quälend. Rechtlich ist der Verstorbene in dieser Phase nicht bestattungsfähig; der Bestatter kann erst nach Freigabe tätig werden. Wichtig zu wissen: Eine Todesermittlung ist kein Vorwurf an die Familie, sondern ein Verfahren zur Wahrheitsfindung — etwa auch, um Ansprüche bei Unfall oder Versicherung zu sichern. Die Ergebnisse der Obduktion können später für Versicherungs- oder Rentenfragen relevant sein; die Dokumente verwahren Angehörige am besten mit den übrigen Unterlagen des Todesfalls.

Bestattung nach der Todesermittlung

Nach der Freigabe läuft die Bestattung wie jeder andere Todesfall auch — mit einer Besonderheit: In vielen Bundesländern verlangen die Bestattungsfristen bei nicht natürlichem Tod eine verkürzte Frist für die Beisetzung, sobald die Freigabe erteilt ist. Der gewählte Bestatter übernimmt die Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft, der Gerichtsleichenhalle und dem Standesamt; die Traueranzeige wird meist erst nach der Freigabe verschickt. Für Versicherungsleistungen — etwa Unfallversicherungen — ist das Ermittlungsergebnis oft Voraussetzung; die Ansprüche werden mit der Sterbeurkunde und dem Abschlussbericht geltend gemacht.