Was lebenserhaltende Maßnahmen leisten
Lebenserhaltende Maßnahmen sind medizinische Interventionen, die lebenswichtige Körperfunktionen aufrechterhalten oder wiederherstellen, wenn der Organismus sie nicht mehr selbstständig leisten kann. Sie reichen von der Beatmung über die künstliche Ernährung bis zur Reanimation. Ihr Segen ist unbestritten — ohne sie wären viele Operationen und akute Notfälle nicht überlebbar. Ihre Grenze erreichen sie dort, wo der natürliche Sterbeprozess nicht mehr rückgängig gemacht, sondern nur noch verzögert wird.
Die wichtigsten Verfahren im Überblick
- Beatmung: Ein Beatmungsgerät übernimmt die Atemarbeit — über Tubus oder Maske.
- Kreislaufunterstützung: Medikamente und Geräte halten den Blutdruck und die Herzfunktion aufrecht.
- Künstliche Ernährung und Flüssigkeit: Magensonde (PEG) oder Infusionen ersetzen das Essen und Trinken.
- Dialyse: Die Blutwäsche übernimmt die Funktion der Nieren.
- Reanimation: Herzdruckmassage und Defibrillation nach einem Kreislaufstillstand — zur Einschränkung siehe den Artikel zur DNR-Anordnung.
Therapieziel statt Therapieverzicht
Die moderne Medizin spricht nicht vom Abbruch, sondern von der Änderung des Therapieziels: Statt Heilung oder Lebensverlängerung steht nun die Linderung im Mittelpunkt. Beatmung wird beendet oder gar nicht erst begonnen, Schmerzen und Atemnot werden konsequent behandelt — Grundlage ist die Palliativmedizin. Entscheidend ist der Patientenwille: Liegt eine Patientenverfügung vor, ist der Arzt an deren konkrete Anweisungen gebunden. Fehlt sie, ermitteln Ärzte und Bevollmächtigte den mutmaßlichen Willen — ein Grund, Wünsche frühzeitig zu dokumentieren, etwa nach dem Patientenverfügung-Muster.
Der Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe
| Handlung | Rechtliche Bewertung |
|---|---|
| Lebenserhaltende Maßnahmen unterlassen oder beenden (passive Sterbehilfe) | Zulässig bei entsprechendem oder mutmaßlichem Patientenwillen |
| Beistand und Symptomlinderung mit möglicher Lebensverkürzung (indirekte Sterbehilfe) | Zulässig bei aussichtsloser Prognose und begründeter Indikation |
| Gezielte Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe) | In Deutschland strafbar (§ 216 StGB) |
Wie Angehörige den Prozess begleiten
Angehörige müssen keine medizinischen Entscheidungen treffen — wohl aber den sterbenden Menschen begleiten. Hilfreich sind: die Sterbebegleitung durch Hospizdienste und Palliativteams, das offene Gespräch mit den behandelnden Ärzten über Prognose und Therapieziel und die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, wie sie im Artikel Umgang mit Trauernden angesprochen wird. Sterben ist ein natürlicher Vorgang — die Frage ist nicht, ob medizinisch alles möglich ist, sondern was dem einzelnen Menschen in seiner Situation gerecht wird.





