Städte unter der Erde
Unter den Straßen Roms liegen kilometerlange Gänge, in die Wände Zehntausende Grabnischen gemeißelt sind: die Katakomben. Sie entstanden ab dem 2. Jahrhundert, zunächst als unterirdische Bestattungsanlagen wohlhabender Familien, die ihr Land zur Verfügung stellten. Bald wurden sie zu den zentralen Grabstätten der frühen Christen — mit eigenen Baumeistern (fossores), eigenen Symbolen und einer Ordnung, die bis heute in der Archäologie nachwirkt. Der Name 'Katakombe' kommt vom lateinischen ad catacumbas — bei den Höhlen — und ging auf die Anlage unter der Basilika San Sebastiano über.
Wie die Katakomben gebaut sind
- Loculi: Rechteckige Nischen in den Wänden, in die die Verstorbenen in Leinentüchern gelegt und mit Platten, Ziegeln oder Stuck verschlossen wurden.
- Arkosolien: Bogenförmige Grabnischen, oft für wohlhabende Familien, verziert mit Fresken.
- Cubicula: Kleine Grabkammern, in denen ganze Familien über Generationen bestattet wurden — mit Wandmalereien biblischer Szenen.
- Lichtschächte: Schächte von der Oberfläche, die Belichtung, Belüftung und Orientierung in den Gängen erlaubten.
Die Bestattungen folgten christlichen Regeln: Einbalsamierung war verzichtbar, die Toten wurden in Tücher gewickelt; die Feuerbestattung, im heidnischen Rom üblich, wurde abgelehnt — der Körper sollte für die Auferstehung erhalten bleiben. Wie sich daraus die christliche Bestattung Europas entwickelte, beschreibt der Artikel zur Christlichen Bestattung.
Symbole der frühen Christen
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| Fisch (Ichthys) | Bekenntnis zu Christus — griechisches Akrostichon für Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter |
| Guter Hirte | Christus als Hirt der Seelen — Trostbild der Frühzeit |
| Anch-Kreuz | Leben und Auferstehung — Verschmelzung ägyptischen und christlichen Symbols |
| Orans | Betende Gestalt — Seele vor Gott |
| Refrigerium-Mahl | Brot und Wein — Eucharistie und Hoffnung auf das himmlische Mahl |
Die Sprache dieser Zeichen erzählt dieselbe Botschaft wie spätere Grabmalskunst — der Artikel zur Symbolik auf Grabmälern setzt diese Tradition fort.
Märtyrergräber und Wallfahrt
Mit den Christenverfolgungen des 3. Jahrhunderts wurden die Katakomben auch zu Gräbern der Märtyrer — und nach der Anerkennung des Christentums unter Konstantin zu Wallfahrtsorten. Über den berühmten Gräbern von Petrus und Paulus, der heiligen Cecilia oder des heiligen Sebastian entstanden Basiliken; die Katakomben wurden erweitert, geschmückt, besucht. Im Frühmittelalter, als die Stadt schrumpfte, verloren sie an Bedeutung; die Gebeine der Heiligen wurden in die Stadtkirchen überführt. Erst die Renaissance und die beginnende christliche Archäologie des 19. Jahrhunderts — vor allem Giovanni Battista de Rossi — öffneten die Anlagen erneut.
Katakomben heute
Rom besitzt über vierzig Katakombenanlagen, etwa San Callisto, San Sebastiano und Priscilla; sie gehören zu den meistbesuchten Stätten der Stadt. In Sizilien, Malta, Neapel und Paris existieren weitere unterirdische Bestattungs- und Beinhaus-Traditionen — die Pariser Katakomben mit den Gebeinen von Millionen sind dabei eher ein ossuar der Neuzeit, verwandt mit den im Artikel zu Karner und Beinhaus beschriebenen Anlagen. Für die Geschichte des Bestattungswesens sind die römischen Katakomben ein Schlüsselbau: Sie zeigen, wie eine Glaubensgemeinschaft unter Druck eine eigene Grabkultur schuf — unterirdisch, gemeinschaftlich, hoffnungsvoll. Ein Kapitel der Geschichte der Bestattung, das bis heute unter den Füßen der Besucher liegt.





